Toccata II | Frühlingsluft in der Mercatorhalle

Foto: Chistoph Müller-Girod
Sie war zu hören und zu sehen, die Patronin unserer Orgel. Ganz zu Beginn huschte sie dezent vorbei und ihr Rufen klang noch etwas verschlafen. Kein Wunder, Eulen sind ja bekanntlich auch Nachttiere. Vielleicht lag das verschlafene Rufen auch daran, dass in ihren Feder eine gewisse Frühjahrsmüdigkeit steckte. Denn schließlich ist der 20. März Frühlingsanfang.Höchste Zeit war es ja wohl auch, da waren sich Peter Bartetzky als Organist und das Publikum einig. Und Zeit, die spielte im ersten Stück des zweiten Toccata-Konzerts eine gewaltige Rolle: Die ToccataToccata op. 154/3 von Jean Marie Plum verarbeitet das bekannte Motiv des Big-Bens-Glockenschlags auf unterschiedlichste Art und Weise. Das Motiv taucht immer mal wieder auf, versteckt sich im Pedal – fast, als wolle es gar nicht, dass man es bemerkt. Ein Stück, dass spieltechnisch einige Anforderungen hat, eine richtige Toccata eben. Wenn auch ohne Fuge in diesem Fall.
Es blieb beim leichten Ton: Beschwingt und heiter kam das Scherzo von Horatio Parker daher – Schüler von Joseph Rheinberger, einem Komponisten der eher bei Orgelliebhabern bekannt ist – aber: Auch Engelbert Humperdink zählte zu seinen Lehrern. Im Scherzo waren diese Einflüsse allerdings kaum zu hören.
Hier hätte eigentlich unser Orchester auf die Bühne gehöert: Saint-Saens Marche Heroique ist nämlich eigentlich für Orchester geschrieben. Der Ein oder Andere wird diesen imposanten, rhythmisch mitreißenden Marsch, der laut Peter Bartetzky zum Mitklatschen animiert, vielleicht in der Orchesterfassung kennen. Die Bearbeitung für Orgel zeigte erneut, dass die Majestät nicht zu Unrecht die Königin aller Instrumente ist: Selten war eine solche Annäherung an das Original zu hören, Streicher und Bläser wurden exakt auf die Orgel übertragen. Wirklich ein wunderbares, heroisches Stück Musik. Vielleicht nicht unbedingt zum Mitmarschieren gedacht, vor allem nicht im schönen melodiösem Mittelteil…

Foto: Chistoph Müller-Girod
Französisches Raffinement: Charles Widors Orgelsymphonien sind ein klangliches Fest, ein wahres Hochamt der französischen Orgelmusik des 19. Jahrhunderts. Aus der Orgelsinfonie Nr. 6 g-Moll op. 42/2 bewies dies das Intermezzo – und an dieser Stelle muss man eingestehen: Es gibt Dinge, die kann man nicht in Worte fassen. Deswegen sollte man es auch erst gar nicht versuchen. Zwar ist es nicht Widor, der im Video zu hören ist, aber einen Eindruck der Klangfülle der Orgel, den haben wir für Sie eingefangen…
Anders als im angekündigten Programm gab es eine spontane Umstellung: Die auf die modale Musik verweisenden zwei Stücke von Floor Peters, die der “Suite modale” entnommen waren und jazzige Akkorde mit einem Rückbezug auf die Renaissance boten folgte als Schluss die Orgelsonate von John Ebenezer West. Hier beeindruckend dass Schlussfugato im letzten Satz, bei dem die Themen auf virtuose Weise bearbeitet, ineinander verschränkt werden.
Und dann gab es die Zugabe. Eine Zugabe der besonderen Art: Peter Bartetzky improsivierte über das Volkslied “Im Märzen der Bauer” und mischte ein wenig “Es tönen die Lieder” bei – zuerst ganz zart im Wiener Klassik-Stil, bei dem das Glockenspiel der Orgel eingesetzt wurde, dann aber wurde es langsam komplexer, ungewohnte Harmonien mischten sich hinein, der alte Johann Sebastian Bach schien kurzzeitig aus der Musik herauszuzwinkern – und ebenso sanft und leise wie begonnen schwang sich die Melodie in die Weite…






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