Okeaniden, Mozart und Prokofjew | Andreas Oberaigner zum 12. Philharmonischen Konzert
Eigentlich wollte ich meine Ankündigung zu unserem letzten Philharmonischen Konzert mit dem Versprechen beginnen, dass wir unserem Publikum mit einem spannenden und abwechslungsreichen Programm noch einmal so richtig einheizen wollen. Bei den Temperaturen, die momentan herrschen, ist das wohl aber nicht der beste Einstieg.
Dafür weckt gleich das erste Werk durch den Titel – “Die Okeaniden” – Assoziationen an kühlendes Nass. “Aallottaret” (Töchter der Wellen) lautet der finnische Titel des Werkes, in dem sich Sibelius mit den Meeresnymphen der griechischen Mythologie auseinander setzt. Das Werk ist dem Amerikanischen Ehepaar Stoeckel gewidmet. Carl Stoeckel war eine reicher Mäzen, der in dem kleinen Städtchen Norfolk ein Konzerthaus erbauen ließ und dort ein Festival ins Leben rief. Immer wieder ergingen Einladung an berühmte Komponisten, und als 1913 Sibelius an die Reihe kam, wurde dieser auch gleich um eine neue Komposition gebeten.
Sibelius wählte für dieses Tongemälde kein Thema der finnischen Mythologie, wie er es zuvor so gerne tat. Seine Beschäftigung mit dem Ozean trägt durchaus impressionistische Züge, und doch ist seine unverkennbare Tonsprache jederzeit heraushörbar. Nachdem in dieser Saison ja schon Debussy „La Mer“ und Brittens „Sea Interludes“ zu hören waren, können unsere treuen Konzertbesuchern nun den interessanten Vergleich anstellen, wie sich der finnische Komponist diesem Thema näherte.
Mozarts g-moll Sinfonie erklingt in den Konzertsälen dieser Welt auch schon mal, wenn sie gar nicht auf dem Programm steht – als Klingelton eines nicht ausgeschaltenen Handys. Wir präsentieren unserem Publikum also quasi die Sinfonie zum Klingelton. Als Klarinettist freut es mich natürlich besonders, dass das Werk in der Fassung mit Klarinetten zu hören ist. Obwohl sich die Klarinette in der Zeit der Wiener Klassik schon einigermaßen in den Orchestern etabliert hatte, waren doch nicht an allen Höfen der Zeit Klarinettisten engagiert. Diesem Umstand musste auch Mozart entsprechen, und deshalb verzichtete er in einigen seiner Sinfonien auf den Einsatz dieses Instruments. Auch die g-moll Sinfonie war ursprünglich ohne Klarinetten konzipiert, doch fertigte Mozart eine Zweite Fassung an, in der er dem Instrument schöne Aufgaben zuteilte.
Neben der Ersten, auch „Klassische“ genannten zählt die Fünfte zu Prokofievs meist gespielten Sinfonien. Der Komponist selbst schrieb zu diesem Werk, er wolle „ein Lied auf den freien und glücklichen Menschen anstimmen, seine schöpferische Kraft, seinen Adel, seine innere Reinheit“. Die Beurteilung dieses Werkes, das in den Kriegsjahren 44/45 entstand, war aber durchaus unterschiedlich, gerade was einen programmatischen bzw. ideologischen Hintergrund betrifft.
So wurde das Werk in der Sowjetunion und im sozialistischen Ausland als „symphonisches Epos von Kampf und Sieg“ gefeiert, und auch westliche Kritiker sahen in der Komposition eine Verbindung zu den historischen Ereignissen dieser Zeit. Ob das wirklich die Absicht des Komponisten war, kann ich nicht beurteilen. Ich persönlich nehme in diesem Stück lieber eine freundliche Grundstimmung war, passend zum oben angeführten Zitat Prokofievs. Das schöne an der Musik ist ja, dass sie auch für sich stehen kann und jedem Zuhörer die Möglichkeit bietet eigene Emotionen und Gefühle damit zu verbinden.
Ich freue mich jedenfalls auf unser Saison-Finale und wünsche allen viel Vergnügen!
Autor: Andreas Oberaigner, stellvertretender Soloklarinettist der Duisburger Philharmoniker






09:52 Uhr
Vielen Dank für diese schöne und kundige Einführung zum 12. Philharmonischen Konzert! Ich werde jetzt besonderes Ohrenmerk auf die Klarinettenpartien im Mozart legen.
Schöne Grüße
Maria Thomauske