Händels Highlight | Eine Passacaglia, ein Cellist und ein Komponist

Photo: Christoph Müller-Girod
Wie besiegen Sie eigentlich Ihren inneren Schweinehund? Durch gutes Zureden von Freunden? Durch den Gedanken an die Bikinifigur? Vielleicht reicht bei Ihnen ja auch ein Blick in das Himmelsblau damit Sie sich aufraffen und Dinge erledigen können. Wenn unser Cellist Robert Kruzlics keine Lust zum Cello üben hatte, dann half bei ihm ein ganz besonderes Stück: Die Passacaglia von Händel. Nach knapp einem Jahr können Sie jetzt endlich in den Genuß des einzigartigen Higlights kommen – denn wir präsentieren stolz das Video.
Eine Passacaglia ist ein Variations-Musikstück. Während man bei Variationen aber eher an die Melodie denkt, die später vom Komponisten bearbeitet wird – etwa wie bei Schuberts “Forellenquintett”, bei Mozarts “Ah, vous dirai-jais maman” oder den bekannten “Enigma”-Variationen von Edward Elgar – ist das bei einer Passacaglia anders. Erstmal wird der Bass als das Fundament der Variation genommen, zweitens bleibt dieser während des gesamten Stücks gleich. Er bildet also ein Ostinato. Variieren kann der Komponist nun entweder diese Bassmelodie oder baut auf diesem Fundament sein Klanggewölbe. Wer sich also schon immer fragte warum Bachs “Goldberg-Variationen” eigentlich “Variationen” heißen – der achte mal auf das Bassfundament. (Wobei Bachs Variationen – aber das ist eine andere Geschichte und wird ein anderes Mal erzählt.)

Robert Kruzlics
Das Stück, dass unseren Cellisten Robert Kruzlics also immer wieder zum Cello üben animierte war eine Passacaglia. Von Händel. Wobei: Robert hat während seiner Ausbildung eine Bearbeitung für Violine und Viola gehört, die der Norwegische Violinist Johan Halvarson anfertigte. Ursprünglich ist diese Passacaglia nämlich aus der Cembalo-Suite in g-moll (HWV 432) und dort der letzte Satz. Es gibt aber nicht nur Bearbeitungen für Geige und Bratsche – Händels Stück ist so populär, dass es Versionen für Viola und Cello und sogar für Viola und Kontrabass gibt. Allerdings: Der Kontrabassist muss schon ein wahrer Paganini sein wenn er sich für diese Variante entscheidet.
Roberts Cellolehrer hatte Radu Aldulescu kennengelernt – ein rumänischer Komponist und Cellospieler, der heute nur noch Experten bekannt ist. Was dieser nun mit der Passacaglia Händels zu tun hat? Nun, Radu Aldulescu bearbeitete im Jahr 1959 die Passacaglia für zwei Celli und Roberts Musiklehrer wiederum animierte seinen Schützlich mit genau dieser Bearbeitung. Einer, die einzigartig sein dürfte – und etwas, was er in all den Jahren seines Lebens nicht vergessen hatte.
So eindrucksvoll war diese Bearbeitung, dass Robert – als er zu den Duisburger Philharmonikern stieß – mit Friedemann Pardall darüber sprach, ob man nicht gemeinsam diese Version der Passacaglia irgendwie aufführen könnte. Unser Intendant Dr. Alfred Wendel war begeistert und gab grünes Licht. Robert setzte sich also mit Aldulescu selbst in Kontakt um die Erlaubnis von ihm höchstpersönlich für dieses Projekt einzuholen. Leider konnte der Bearbeiter nicht mehr erleben, wie im Juli letzten Jahres im Opernfoyer die Aufnahmen zu diesem einzigartigen Highlight entstanden – Radu Aldulescu starb 2006.
Ein solches Higlight braucht Zeit, denn da ist Einiges zu schneiden, zu synchronisieren, kurz: Man braucht Zeit um aus einem Rohling einen Diamenten zu formen. Diese Zeit haben wir uns genommen und können jetzt voller Freude und Stolz Robert Kruzlics und Friedemann Pardall mit der Bearbeitung von Händels Passacaglia für zwei Celli von Radu Aldulescu präsentieren.






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