11. Oktober, 2009

2. Philharmonisches Konzert | Donnerndes Duell

Ingar Bergby Dirigent des zweiten Philharmonischen Konzertes bei den Duisburger Philharmonikern

Ingar Bergby

Sein Deutschland-Debüt hatte den norwegischen Dirigenten Ingar Bergby bereits im November 2006 zu den Duisburger Philharmonikern geführt. Nach diesem höchst erfolgreichen Einstand gibt es beim zweiten Philharmonischen Konzert am Mittwoch 14. und Donnerstag 15. Oktober um 20 Uhr in der Philharmonie Mercatorhalle nun eine Wiederbegegnung mit dem vielfach preisgekrönten Künstler.

Als engagierter Sachwalter der zeitgenössischen Musik genießt Ingar Bergby weit über seine skandinavische Heimat hinaus hohes Ansehen. So steht mit dem Bratschenkonzert des Norwegers Ragnar Söderlind denn auch eine beinahe noch tintenfrische Novität im Zentrum des Programms. Der 1945 geborene Komponist vertritt jenen eigenwilligen nordischen Musiker-Typ, der mit dem Fortschrittsglauben der mitteleuropäischen Avantgarde nicht viel im Sinn hat. Sein neoromantischer, unmittelbar zugänglicher Stil ist in besonderer Weise von der skandinavischen Folklore beeinflusst; auch in seinem Bratschenkonzert zitiert der Komponist Volkslieder aus Finnland, Schweden und Norwegen. Das Werk wurde im Juli 2008 beim Elverum Festival aus der Taufe gehoben – durch Lars Anders Tomter, der auch in Duisburg auf dem Podium stehen wird.

Lars Anders Tomter

Lars Anders Tomter

Als Solist, Festival-Organisator und Hochschulprofessor wird der „Riese der nordischen Bratsche“ (The Strad) international hoch geschätzt; zahlreiche Werke skandinavischer Komponisten wurden durch ihn angeregt und uraufgeführt. In Duisburg war er zuletzt beim Kammerkonzert im April 2009 zu erleben.

Mit der dreisätzigen Sinfonie Es-Dur KV 184 – einem jugendlichen Geniestreich des 17jährigen Wolfgang Amadeus Mozart – beginnt der Abend; den machtvollen Ausklang bildet die Sinfonie Nr. 4 op. 29 von Carl Nielsen. Der dänische Meister stand lange Zeit ganz unverdient im Schatten seines gleichaltrigen finnischen Kollegen Jean Sibelius; inzwischen hat Nielsens vitale und kantige Tonsprache ihr Publikum aber auch hierzulande gefunden. Die vierte Sinfonie mit dem Untertitel „Das Unauslöschliche“ ist zweifellos sein populärstes Werk. Carl Nielsen wurde bei der Komposition im Sommer 1914 vom Ausbruch des ersten Weltkriegs überrascht; die Sinfonie soll „den elementaren Willen zum Leben“ ausdrücken, der sich in dieser Musik immer wieder gegen zerstörerische Kräfte behaupten muss. Zum eindrucksvollen Showdown kommt es im Finale, wenn zwei Paukenchöre sich über die Distanz des vollen Orchesters hinweg ein apokalyptisch donnerndes Duell liefern.

Mit freundlicher Unterstützung der Peter Klöckner-Stiftung
Die Karten für das Konzert kosten zwischen 8,90 Euro und 33,60 Euro, ermäßigt 5,60 bis 17,90 Euro.

Von mediabot

Kommentare

  1. Günter Landsberger 12. Oktober 2009
    09:31 Uhr

    Wenn in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und in der ersten des 20. (vgl. Carl Nielsen) vom Lebenswillen, vom “Willen zum Leben” die Rede ist, frage ich mich immer, inwiefern Arthur Schopenhauers Verständnis davon dabei eine Rolle spielt. (Arthur Schopenhauer versteht den “Willen zum Leben” in einem metaphysischen Sinn als einen allmächtig allem zugrundeliegenden “blinden Drang”.)

  2. Günter Landsberger 12. Oktober 2009
    11:09 Uhr

    Übrigens: Auch auf ein bedeutendes, leider viel zu wenig bekanntes Romanwerk der deutschen Literatur, auf Hans Henny Jahnns “Fluß ohne Ufer”, hat Carl Nielsens 4. Symphonie wichtige Auswirkungen gehabt. Eine zentrale Romanfigur, der Komponist Gustav Anias Horn, nimmt dort für seine Symphonie “Das Unausweichliche” Carl Nielsens 4. Symphonie, die den Untertitel “Das Unauslöschliche” trägt, zum Vorbild.

  3. …und wieder etwas dazu gelernt!

    Vielen Dank für diesen interessanten Hintergrundinformation.

  4. Günter Landsberger 14. Oktober 2009
    11:09 Uhr

    “Carl Nielsen hat ein herrliches Buch geschrieben: “Meine Kindheit auf Fryn”. Dieser Sohn eines Dorfgeigers, ärmer als ein Häusler, spielt seine ersten Melodien auf einem Instrument, das er selbst erfindet, nämlich auf Buchenkloben, die beim Daraufschlagen verschiedene Tonhöhen ergeben. – In der Ziegelei arbeitet ein alter Hengst, der von den Kindern unsäglich geliebt wird -, und in Odense gibt es übelberüchtigte Männer, die die Musik und den kleinen zwölfjährigen Militärtrompeter, der die Signale ständig verwechselt (das ist Carl inzwischen geworden), lieben und in ihm wieder die Musik. Sie bringen ihm Mozart und Bach nahe. Sie verschaffen ihm ein altes Klavier. Sie sorgen dafür, daß er achtzehnjährig nach Kopenhagen aufs königliche Konservatorium kommt. – Man sollte auch noch anderen als dem Krämer Puchberg, der Mozart ständig Geld lieh, ein Denkmal setzen. Aber wer gedenkt jener, die das Schicksal den großen Gestalten beigesellt?”
    (aus Hans Henny Jahnns “Vortrag in der Gesamtsitzung der Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz – vom 25. Oktober 1952″: “ÜBER DEN ANLASS”)

  5. Günter Landsberger 15. Oktober 2009
    07:39 Uhr

    Das insgesamt und im einzelnen äußerst ansprechende Konzert gestern abend hat ziemlich genau das gehalten, was ich mir von ihm versprochen hatte. Inzwischen bin ich ja schon allerhand Gutes von den Duisburger Philharmonikern gewohnt und habe so von vornherein sehr hohe Erwartungen.
    Nielsens 4. Symphonie habe ich mir übrigens vorher in den Interpretationen von Esa-Pekka Salonen und Herbert Blomstedt auf CDs angehört, Salonen schnitt hier für mein Gefühl etwas besser ab als Blomstedt; völlig anders übrigens als im Fall der 5. Symphonie Nielsens, die sich auf Blomstedts CD gleich hinter der Vierten fand; da gebührt Blomstedt eindeutig – und mich gleich mit dem ersten Satz regelrecht überwältigend – der Vorrang. Die 5. Symphonie war für mich die große, unverhoffte Entdeckung meiner Vorbereitung auf das Konzert – und nichts sehnlicher wünsche ich mir als eine Aufführung auch noch der Fünften durch die Duisburger Philharmoniker in ein oder zwei Jahren. Ob das der Spielplan erlauben könnte?

    Die Vierte Nielsens ist ja schon gut, und man sollte sie , die vom Namen her Berühmtere, sich auf alle Fälle anhören, aber seine Fünfte – die überzeugt mich von Anfang an noch weit mehr. Sie ist für mich der sofortige Zugang und der Schlüssel, auch andere Werke Nielsens noch besser zu verstehen.

  6. Guten Tag Herr Landsberger,

    Vielen Dank für die Ausführlichkeit Ihrer Kommentare. Ich bin mir sicher, daß Ihr Wunsch bei Orchesterleitung und Intendant Dr. A. Wendel Gehör finden wird. Ich möchte Sie noch auf die Webseite http://www.gravatar.com hinweisen. Es ist bei diesem Dienst möglich einen Avatar mit Ihrer Email zu verbinden. Die von Ihnen frequentierten Webseiten, werden solange Sie sich mit der gleichen Email registriert haben, automatsisch ein Bild zu ihrem Profil darstellen.

    MfG, Christoph Müller-Girod

  7. Lieber Herr Landsberger,
    zunächst herzlichen Dank für die Positive Einschätzung unseres Konzertes gestern. Ich freue mich, dass Sie bei unserem skandinavischen Ausflug dabei gewesen sind.
    Ihre Anregung werden wir gern versuchen aufzugreifen. Ich Ihren Wunsch nach der 5. Sinfonie von Nielsen sehr gut nachvollziehen. Sie ist schon noch um einiges moderner, dramatischer als die 4. Da liegen doch immerhin sechs Jahre dazwischen. Ich werde mir die 5. Mal auf die Ideenliste für das Mercatorjahr 2012 schreiben.
    Da könnten wir vielleicht nochmal nach Dänemark herüberschippern. Jedenfalls sehe ich es auch so, dass Carl Nielsen
    zu selten gespielt wird. Seine Musik ist absolut packend und erstklassig gemacht. Beim nächsten Konzert geht es nach Frankreich! Und da wird zum ersten Mal die neue Konzertorgel dabei sein. Ich hoffe Sie auch!

  8. Günter Landsberger 17. Oktober 2009
    08:42 Uhr

    Lieber Herr Dr. Wendel,
    haben Sie herzlichen Dank für Ihre mich sehr erfreuende Antwort.
    Da wir ganz bewusst ab diesem Jahr ein Duisburger Abo (eigentlich zwei, denn die Kammerkonzerte haben wir auch noch hinzugenommen) haben, werden meine Frau und ich ganz sicher bei dem nächsten, dem französischen Konzert mit der neuen Orgel (Glückwunsch!) mit dabei sein. Und sehr gerne. Wir freuen uns bereits darauf.

9. Philharmonisches Konzert

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