02. Juli, 2010

12. Philharmonisches Konzert | Feuerkopf am Taktstock

Bevor sich die Duisburger Philharmoniker mit dem letzten Philharmonischen Konzert der Saison in die Sommerpause verabschieden, stellen sie beim zwölften und letzten Konzert der Spielzeit am Mittwoch 14. und Donnerstag 15. Juli um 20 Uhr in der Philharmonie Mercatorhalle noch eine der interessantesten Dirigenten-Persönlichkeiten der jungen Generation vor.

Eugene Tzigane, 1981 in Tokio geboren, hat in den letzten Jahren bei großen internationalen Dirigierwettbewerben in Katowice und Zagreb kräftig abgeräumt. 2008 folgte dann der renommierte Georg-Solti-Wettbewerb in Frankfurt: Der junge Amerikaner, ausgebildet an der New Yorker Juilliard School und der Königlichen Musikakademie in Stockholm, riss mit seinem unbändigen Musiziertemperament Juroren und Publikum von den Stühlen. Plötzlich war der Name Eugene Tzigane auch hierzulande in aller Munde. Die Angebote häuften sich. So beginnen Weltkarrieren – wenn man denn der Gefahr entgeht, sich im Strohfeuer der ersten Erfolge zu verbrennen. Aber Eugene Tzigane war klug und folgte zunächst seinem Lehrer Alan Gilbert als Assistent ans Royal Stockholm Philharmonic Orchestra – zweifellos ein idealer Ort, um sein Repertoire weiter zu vertiefen, an Klangvorstellung und Schlagtechnik zu feilen. Und das ist ihm offenbar gut gelungen: Im April 2010 wurde er als Nachfolger von Andris Nelsons zum Chefdirigenten der Nordwestdeutschen Philharmonie in Herford berufen, zunächst für vier Jahre. Der junge Feuerkopf wird dem nordrhein-westfälischen Musikpublikum also noch eine Weile erhalten bleiben – zweifellos eine gute Nachricht!

„Mein Ziel ist nicht die absolute Perfektion. Ich möchte lebendige Musik machen, die berührt und die ohne Hintergrundwissen verständlich ist“, so Eugene Tzigane im Interview. Scheuklappen kennt er offenbar nicht – er liebt Filmmusik und Jazz, schwärmt für den Pop-Barden Sting, sieht sich in seiner mittlerweile knapp bemessenen Freizeit gerne mal Stand-up-Comedy an und tanzt Tango mit seiner Ehefrau.

Für sein Gastspiel in Duisburg hat Eugene Tzigane ein stilistisch vielschichtiges und kontrastreiches Programm ausgesucht. Zur Eröffnung erklingt Jean Sibelius’ Tondichtung über die „Okeaniden“, die griechischen Nymphen des Meeres. Mit Mozarts später g-Moll-Sinfonie widmet sich Eugene Tzigane einem der bedeutendsten Werke des klassischen Sinfonie- Kanons. Sergej Prokofjews fünfte Sinfonie, in den Kriegsjahren 1944/45 entstanden, sollte nach dem Willen des Komponisten Kampf und Sieg des sowjetischen Volkes ausdrücken. Aber der Heroismus dieser Musik ist merkwürdig gebrochen; aus dem massiven Orchesterklang will sich kein Jubel lösen. Und am Ende reißt ein peitschendes Schlagzeuggewitter alle Siegeshymnen in Stücke.
Die Karten für das Konzert kosten zwischen 8,90 Euro und 33,60 Euro, ermäßigt 5,60 bis 17,90 Euro.

Von mediabot

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