06. Oktober, 2009

1. Profile Konzert | Eine Uraufführung mit Interludien

Foto: Christoph Müller-Girod

Foto: Christoph Müller-Girod

Wie Columbus muss sich der Archivar gefühlt haben, der die Autographen eines Werkes von Fritz Busch in den Händen hielt. Allerdings muss auch ein wenig Ratlosigkeit im Gesicht des Archivars gestanden haben – denn das Lesen eines solchen Stücks Zeitgeschichte ist dann doch ein wenig schwieriger als man meint. Wer jemals in London zur National Library gepilgert ist und einen Blick auf das Autograph des berühmten “Hallelujas” von Händel geworfen hat, wer jemals eine Faksimilie-Ausgabe von Bachs “Matthäuspassion” oder von Schuberts “Forellenquintett” – aus dem beim 1. Profile-Konzert der Variationensatz zu hören war – gesehen hat, der wird sicherlich nur mühsam die bekannten Noten erkannt haben. Komponisten haben immer ihren eigenen Stil – und nicht jeder ist pedantisch und akkurat.

Busch, Reger, Einstein und Mann

Fritz Buschs Werk, dass beim 1. Profile Konzert erklang bezeugte dann nochmals etwas von dem besonderen Stil den Komponisten pflegen. Manchmal ruppig, manchmal schmeichlerisch, eng verwurzelt im Romantischen aber dennoch offen für die neuen Strömungen der Zeit. Besonders einprägsam: Der Einsatz des Cellos als Melodieinstrument und das stetige Steigern der Emotionen zum Finale des Satzes. Die Fleißarbeit von Friedmann Dressler, der aus dem Autograph lesbare Noten hervorhob, hat sich gelohnt. Es wäre schade wenn dieser Satz wieder in Vergessenheit geraten sollte.

Foto: Christoph Müller-Girod

Foto: Christoph Müller-Girod

Hellmuth Geldsetzer als Erzähler beleuchtete zwischen den Stücken Regers, Bachs und Schuberts – Komponisten, die Adolf Busch sehr geschätzt hat – die Begegnungen zwischen Adolf Busch und Max Reger, Albert Einstein und Thomas Mann. Dabei erfuhr man, dass Busch ein echter Siegerländer gewesen sein muss: Etwas störrisch, durchaus temperamentvoll aber dabei ein Mensch, der seine Qualitäten besaß. Thomas Mann schätzte das Busch-Quartett so sehr, dass er es in verkleideter Form in seinem Roman “Doktor Faustus” auftreten ließ. Einstein wiederum, so erfuhr man es beim Konzert, nahm es mit der Rhythmik etwas relativ, während Reger sich nach einer Auseinandersetzung über die Aufführung einer Brahms-Sonate bei Busch mit einer Postkarte entschuldigte.

Wer mehr über Adolf Busch und seine Zeit erfahren möchte, der wird sich noch etwas gedulden müssen. Denn die Biographie “Adolf Busch – The Life of An Honest Musician” von Tully Potter erscheint erst im November.


Von Christian Spließ

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