Südwärts | Teil 1: Flamencoklänge mit Clerch
Im ersten Teil des Berichts über unser Open-Air-Sommer-Night-Proms-Konzert werden wir den Focus auf die erste Hälfte des Programm mit Joaquin Clerch richten. Dessen Eigenkompositionen und vor allem die Interpretation des zweiten Satzes aus dem Concierto de Aranjuez zeigten die Vielfalt des Konzertes auf – zu hören waren südamerikanische Melodien und klassische Gitarrenklänge. Jerónimo Giménez y Bellidor ist hierzulande als Komponist kaum bekannt. Dies mag daran liegen, dass seine Hauptwerke Zarzuelas sind – eine ureigenste spanische Musiktheaterform, die man in die Nähe der Operette rückten könnte. Das Intermezzo aus einer seiner bekanntesten Zarzuelas, der 1897 entstandenden “La Boda del Luis Alonso”, eröffnete unser Open-Air-Konzert. Feurig und rhythmisch kommt es daher, eng mit der Tonsprache Spaniens verwurzelt und durchaus in der Nähe der Volksmusik. Hendrik Vestmann brachte die Stimmung des Stücks genau auf den Punkt.
Einen krasseren Gegensatz kann man sich dann kaum vorstellen, denn der zweite Satz aus dem “Concierto des Aranjuez” für Gitarre und Orchester ist gefühlvoll, anmutig, ruhig. Es ist ein Klagegesang, der aus dem Orchester zu hören ist, ein Bittgegebet um Hoffnung und Erlösung. Das Englischhorn gibt das Thema vor, das von der Gitarre dann aufgegriffen wird und das später in den Streichern zu voller Größe anschwillt. Trauer und Melancholie in h-moll. Der Kunstgriff Rodrigos dabei: Die Gitarre wird stets nur von kleinen Teilen des Orchesters begleitet um stets hörbar zu bleiben. Wenn sie nicht, wie zu Beginn, solo das Thema aufnimmt.
George Gershwin ist nicht unbedingt als Komponist von feurigen Klängen aus Cuba bekannt – aber 1931 schrieb er ein Stück, dass zuerst “Rhumba” hieß und später den Namen “Cuban Ouverture” – Kubanische Ouvertüre also – erhielt. Gershwin brachte die Klänge und Ideen für dieses Stück aus einer Reise nach Kuba zurück, wo er mit 33 Jahren Ferien machte. Das aus der Rumba dann die Ouvertüre wurde verdanken wir der Metropolitan Opera. Drei Monate nach der Uraufführung am 16. August 1932 nämlich gab es dort ein Benefiz-Konzert – und Gershwin widmete das Stück dann mit neuem Titel für diesen Zweck um.
Die “Ouverture” kam nicht nur bei den Kritikern sehr gut an. Das Stück mit seiner A-B-A-Form zeigt, dass Gershwin sich intensiv mit den kontrapunktischen Elementen der kubanischen Musik beschäftigt hat – zudem brachte er auch einige Instrumente nach Amerika, die man vorher nicht kannte. Ein Meisterstück: Der Übergang zum ruhigeren zweiten Teil eingeleitet von der Soloklarinette mit deutlichen Anklängen an die Blues-Harmonik. Im Finale dürfen dann vor allem die Bläser strahlen, denn mit ihnen und der Wiederholung des ersten Themas geht das Stück seinem Ende entgegen. Man sollte es ruhig öfters ins Programm nehmen, die Schlagwerker im Orchester werden es danken. Zumal laut Gershwin gerade diese ja eigentlich vor dem Orchester stehen sollten…
Eine hinreißende Hommage an Paco de Lucia und dessen Flamenco-Gitarre folgte. Clerch zeigte sich aber nicht nur als Interpret fremder Werke sondern auch als Komponist – so gingen die zwei nächsten Stücke auf Schlagermelodien aus seiner Heimat zurück: “La Noche Cubana” und “Madrugada”. Ersteres beinhaltet Elemente des Jazz in sich und überrascht durch die Rauheit der Instrumentation. “Madrugada” ist ein Medley aus verschiedenen kubanischen Schlagermelodien – hier kam dann der typische kubanische Sound zum Tragen.
Im zweiten Teil des Berichts wenden wir uns dann Lucia Aliberti zu – unter anderem sang sie “Casta Diva” aus Norma und zeigte sich im Finale des Konzerts beschwingt zu den Klängen von “Tico Tico”.







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