26. April, 2009

WEB@CLASSIC | Der Abend

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18:45 Uhr. Alles ist vorbereitet. Der Tisch neben der Abendkasse steht. Der Mac ist angeschlossen. Kekse, Schokolade, Lakritz, Weingummi und (wichtig, da es ja eine Live-Radioübertragung geben wird) Hustenbonbons liegen bereit. Intendant Dr. Alfred Wendel kommt als Erster vorbei (O-Ton: “Warum haben wir eigentlich nicht immer so ein Empfangskomitee?”), nimmt sich ein Stück Schokolade und geht weiter zum Saal. Noch ist alles sehr ruhig, nur die MitarbeiterInnen der Mercatorhalle wuseln geschäftig umher und freuen sich ebenfalls über ein Leckerchen im Vorbeigehen. Da eine spontane “Warm Up Party” im ÖPNV geplant war, kontrolliere ich noch mal via Twitter die Standorte der Anreisenden. Nein, da tut sich auch noch nicht viel. Alles ist sehr ruhig und ich ahne noch nicht, dass es sich hierbei um die Ruhe vor einem Sturm handelt. Einem Sturm aus vielen lieben Menschen, einem Hagel aus tollen Gesprächen und einem beinahe schon naturgewaltigen Konzert. Weiter lesen, Diashow, Video…

Kurz nach 19 Uhr traf bereits ein dacapo-Begleiter der ersten Stunde, Herr Landsberger, mit seiner Frau ein. Herr Landsberger hat schon einige sehr lesenswerte Beiträge und Kommentare für dacapo geschrieben und so war es mir eine besondere Freude, diese beiden in Ruhe begrüssen zu dürfen…was ein paar Minuten später nicht mehr möglich gewesen wäre. Fast zeitgleich trafen vom WebTeam Christoph Müller-Girod und Christian Spliess ein und so hatte ich tatkräftige Unterstützung bei dem nun einsetzenden Andrang. Innerhalb kurzer Zeit galt es sehr viele bekannte Gesichter zu begrüssen und neue kennenzulernen. Der Empfangstisch, kurzerhand in HQ (Headquarter/Hauptquartier) umbenannt, wurde zum Mittelpunkt eines regen und fröhlichen Treibens, dass immer wieder durch herzliche Begrüssungsszenen unterbrochen wurde. Ich werde jetzt hier nicht die ganzen Namen aufzählen, aus Sorge jemanden zu vergessen, aber vielleicht holen ja diejenigen, die anwesend waren und dies hier lesen, es mit einen Kommentar nach.Nicht nur Christoph machte fleissig Fotos, viele verteilten erste Eindrücke direkt über ihre Smartphones ins Web, so dass ich mit einem Auge auf dem Mac sehr schön mitverfolgen konnte, wie sich zu den real Anwesenden eine grosse Anzahl virtueller Gäste hinzu gesellte.Wie sich die Leckereien auf dem HQ-Tisch leerten, so füllte sich der Raum um ihn herum mit redenden und lachenden Menschen und auch wenn nur noch ein paar Minuten bis zum Konzertbeginn blieben, ergab sich doch eine Atmosphäre, die einem Blogger- oder Twitter-Treffen sehr ähnelte. Beinahe hatte es den Anschein, dass einige nur widerwillig ihre Gespräche für das Konzert unterbrachen und sie schafften es fast nicht in den Saal, bevor dieser die Türen schloss.Eigentlich wollte ich mir das Konzert, dessen Proben ich ja dieses Mal nicht miterleben konnte, anhören, aber wenn man Gastgeber ist, hat man auch gewisse Pflichten. Wir hatten für die Pause das HQ als Treffpunkt ausgemacht und so räumte ich erst einmal auf und füllte die Leckereien wieder nach (übrigens: der Favorit waren mit Abstand die bunten Weingummis, gefolgt von Schoko-Bonbons, Keksen und Lakritz ; )). Dank der Livestream-Übertragung durch WDR 3, hatte ich aber die Möglichkeit, das Konzert dabei zu verfolgen und was ich hörte war beeindruckend (s. WDR Sinfonieorchester | Gastkonzert | Diashow).Während ich um meinen Tisch herum beschäftigt war, kamen immer wieder Menschen zu mir, die sich wohl die Mercatorhalle anschauten, fragten mich, was ich hier tat, bedienten sich der Süssigkeiten und lauschten mit mir Musik. Gerade einige ältere dieser Neugierigen, fanden die Idee Web@Classic sehr spannend, ließen sich erklären, was das WebTeam macht und wie man Radio via Internet empfangen kann. So entstand selbst in dieser Phase des Abends ein informativer Zeitraum über die Möglichkeiten moderner Web-Angebote. Ich fand das unheimlich spannend und kann nicht behaupten, dass bei mir Langeweile aufkam. Zumal ich natürlich die Tweets der Besucher verfolgte, die in “James Bond”-Manier Geheimberichte aus dem Saal sendeten.In der Pause füllte sich dann das HQ wieder explosionsartig und wenn es einen Kritikpunkt an diesem Abend gab: niemand brachte mir einen Sekt mit! Aber an dieser Sache werden wir bis zum nächsten Mal sicher noch arbeiten können : ).Christoph hatte schon erste Bilder gemacht und zeigte sie mir. Ebenso erfreute ich mich an den intensiven Eindrücken, die die Besucher mit aus dem Saal brachten. Das war für mich einmal ein ganz anderes Konzerterlebnis. Die Begeisterung über die Musik, das Klangerlebnis und die Architektur der Philharmonie waren enorm und so kurz die Pause auch war, so intensiv wurden mir diese Eindrücke vermittelt. Sind halt fast alle 140-Zeichen-Blogger-Profis ; ).Mit dem Ende der Pause leerte sich das HQ dieses Mal deutlich schneller, aber Christoph blieb zu meiner Unterstützung zurück und erzählte mir netterweise weitere Details aus dem Konzert, untermalt von den Klängen des Livestreams.Als dann das Konzert beendet war, stürmten die WEB@CLASSIC-BesucherInnen wieder zum HQ. Einige mussten leider schon gehen, da sie eine sehr lange Anreise hatten (Kronberg, Bielefeld, Bonn,…unglaublich!), aber ein Rest Webies verabredete sich spontan zu einem Chill Out in einer der Lokalitäten der Mercatorhalle.Mein Fazit: Obwohl ich selbst das Konzert nicht Live erleben konnte, war es doch das eindruckvollste Gesamterlebnis als Projektleiter der Philharmonie 2.0. Es hat mir gezeigt, dass es nicht die Musik ist, die Menschen vom Erlebnis “Klassik” fernhält, sondern die Art und Weise, wie die Klassik über Jahrzehnte hinweg einen konservativen Kokon um sich errichtet hat, der bis heute wie eine unsichtbare Barriere wirkt. Damit meine ich nicht einen respektvollen Umgang mit den KünstlerInnen während des Konzerts. Die Arbeit eines klassischen Musikers hat sehr viel mit extremer Konzentration, äusserer Ruhe und innerer Versammlung zu tun und steht nach meinen Erfahrungen oft den Wünschen der Zuschauer nach Begeisterungsbekundungen konträr gegenüber (s. Klatschen an falscher Stelle ; )). Aber ausserhalb des Konzertssaals muss sich Klassik auch den Wünschen der BesucherInnen anpassen. Im Saal ist die Kunst zu Hause, ausserhalb ist Dienstleistung angesagt, die sich nach den Bedürnissen der BesucherInnen richtet. Und neue Besuchergruppen erreicht man nur mit neuen Konzepten. Der Kunde ist König- das gilt genauso auch für Kulturbetriebe.Mir hat WEB@CLASSIC wieder einmal gezeigt, dass dieser Gedanke nicht nur für das reale Leben gilt, sondern auch für das, was gerne als “Webciety” (das Abbild einer Gesellschaft im Internet) bezeichnet wird. Es gibt nicht mehr DIE Zeitung, DAS Fernsehen und Radio, oder DAS Internet. Alles wächst zu einem Medium zusammen, dessen Distributionsweg das Web ist, in dem immer mehr Menschen einen Grossteil ihrer sozialen Kontakte pflegen. Eine der Stärken der Duisburger Philharmoniker ist, dass sie das erkannt haben und ernst nehmen. Da sie damit Erfolg haben, ernten sie dafür Lob und es zeichnet Management und Musiker aus, dass sie dieses Wissen nicht für sich behalten, sondern es engagiert mit anderen Kulturschaffenden teilen wollen (s. z. B. Partnerschaft bei der stART.09 Konferenz).Aktionen wie WEB@CLASSIC erfüllen mindestens 3 wichtige Funktionen, mit denen sich Hochkultur sonst sehr schwer tut:> es werden Menschen mit Formen der Kultur in Berührung gebracht, die ihnen fremd sind> durch die Vernetzungen der Menschen im Web, erreichen sie riesige Schnittmengen quer durch alle Communities von Technik-affinen Musikfreunden> Hochkultur hat eine direkte Kommunikationsmöglichkeit mit den “Kunden von morgen”. Das geht schneller, ist effektiver und ehrlicher als jede Umfrage.Und das wichtigste: Es macht allen Beteiligten ungeheuren Spass !Das wird bestimmt nicht die letzte WEB@CLASSIC Aktion gewesen sein.Vielen Dank für euren Besuch und die aktive Teilnahme!P.S.: Ein besonderes Dankeschön geht an Jan Tißler von UPLOAD! Das war ein tolles gemeinsames Projekt und wir bedanken uns für die hervorragende Zusammenarbeit. Was machen wir als nächstes ; )?Christoph Müller-Girod hat eine Reihe von Fotos geschossen, die wir gerne um eure eigenen Aufnahmen des Abends ergänzen möchten. Bitte schickt sie uns, oder einen Link, wo wir sie finden können, an team@dacapo-dp.de Fotos: Christoph Müller-GirodEbenso hat er gemeinsam mit Christian Spliess einige der Besucher interviewt:Duisburger Philharmoniker >> web@classic by CMG HyperMedia

Von Christoph Müller-Girod

Kommentare

  1. Also erstmal müssen wir uns für den gelungenen Abend bedanken es hat uns sehr viel Spass gemacht.
    Die Idee Klassik mit Web 2.0 zu verbinden ist sehr gut angekommen.

    Und bis zum nächsten Treffen werde ich mein Auftreten vor der Kamera verbessern.

    EHRLICH.

  2. Vielen Dank nochmal für die gelungene Aktion, für die Einladung, für das tolle, inspirierende Konzert und die Möglichkeit, gleich so viele nette, interessante Menschen kennen zu lernen. Ich freue mich bereits auf weitere Treffen. Ein sehr schöne Artikel, den ich mit Freude gelesen habe. Aber hättet ihr nicht ein hübscheres Bild nutzen können? ;-)

  3. @probefahrer alex und @houpua angie danken nochmal für den schönen abend und das hammerkonzert! am blogbeitrag wird grad noch geschrieben – trackback kommt gleich ;)

    bis hoffentlich bald in duisburg mal oder in osnabrück

  4. Eine tolle Aktion, die zeigt, welches Potenzial das Web2.0 im Kunst- und Kulturbereich besitzt. Wichtig sind aber auch die entsprechenden Ideen dazu, um mit den Leuten ins Gespräch zu kommen und Beziehungen aufzubauen. Twitter, Blogs und Netzwerke alleine sind nicht genug, sie sorgen nur dafür, dass die Kommunikation funktioniert.

  5. @Guido: : )!
    @Roger: Dann werden wir bei deinen nächsten Besuch mal ein paar Fotos mit dir machen ; ).
    @Alex: Vielen Dank für deinen Blogbeitrag http://bit.ly/FGSNQ über WEB@CLASSIC!
    @Christian: Da hast du völlig recht. Und wenn man dann noch die richtigen Leute zu Besuch hat, wird es ein Erlebnis.

  6. Erst mal vielen Dank für die Einladung und die Zeit, die Du bereits am Nachmittag für einen Austausch hattest. Es war ein ganz wundervolles Konzert und ein sehr gelungener und unterhaltsamer Abend. Wenn ich das nächste Mal komme – dann zu einem Konzert der Philharmoniker …

  7. @ Frank: Mit hübscher meinte ich ein hübscheres, also anderes Motiv. ;-)

  8. Den Sekt hättest Du dir allerdings mindestens verdient gehabt ;) Ein wundervolles Konzert und ein fantastischer Abend!

    Viele Grüße von den Schafen ;)

  1. [...] ich mich selber zitieren: Im letzten Jahr haben sich die Duisburger Philharmoniker mit “Web@Classic” bei den zahlreichen Webfreunden für ihre Unterstützung bedankt. Momentan sind wir am [...]

    Geschrieben auf #Tworgel oder Orgel für alle und zwar umsonst « Nur mein Standpunkt
    2. April 2010 um 00:44 Uhr
9. Philharmonisches Konzert

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