WDR Sinfonieorchester | Gastkonzert | Diashow

Decrescendo! Die Streicher werden allmählich leiser und leiser, dann Stille. Ist die Synfonie „Il Distratto“ schon zu Ende? Aber dann setzt das WDR Sinfonieorchester wieder mit voller Lautstärke ein – Haydn hat einfach nur die Zerstreutheit des Charakters aus dem gleichnamigen Bühnenstück komponiert. Zur Diashow
Fotos: Christoph Müller-GirodSicherlich hat Haydn als er für den Fürsten Nikolaus I. genannt der Prächtige – 1714-1790 – in Esterhaszy tätig war noch etliche andere Bühnenstücke geschrieben, doch leider haben zwei Hausbrände etliche Werke in Rauch aufgehen lassen. Das charmante Werk „Il Distratto“ allerdings ist uns erhalten geblieben – mitsamt den komponierten Schusseligkeiten des Bühnencharacters Leandre. Thomas Hengelbrock dirigierte bestimmt und präzise das haydensche Kleinod. Es gelang ihm dabei auch das Publikum zu bändigen, welches aufgrund der etwas ungewöhnlichen Symphonie schon mal zwischen den Sätzen klatschte. Als Gegensatz zum “echten” Klassiker Hyden setzte Hengelbrock zwei “unechte” Werke in klassischer Manier. Wobei Prokofjew erstes Violinenkonzert zwar lyrische Stellen besitzt – doch dann entfesselt der Komponist das Orchester – schroffe Gegensätze, die bei der Pariser Uraufführung verstörend wirkten. Alina Pogostkinas Spiel vermittelte davon einen Eindruck: Ausladende Gestik mit virtuosem Spiel gepaart. Bartóks Konzert für Orchester gelingt es im Gegensatz zum Prokovjev dann die Balance zwischen Neoklassizismus und moderner Tonsprache zu wahren. Wennngleich auch auf romantische Streicherklänge choralartige Bläser folgen, ist Bartóks Werk doch gezähmter als Prokofjew Violinenkonzert. Sicherlich werden es die Zuhörer der WDR3 Live-Übertragung bestätigen, es war ein atemberaubender schöner Konzertabend – auf die weitere Karriere des Herrn Hengelbrock und Frau Pogostkina sollte man ein Auge haben.






12:17 Uhr
Ein beglückend reichhaltiges Konzert auf höchstem Niveau war das gestern. Und ich habe nun das WDR-Sinfonieorchester, dessen Rundfunkkonzerte ich schon seit Jahren, nein in seinen Vorgängerorchestern mittlerweile schon seit Jahrzehnten, dankbar verfolge, erfreulicherweise zum ersten Mal live in einem Konzertsaal gehört! Wie frisch und unverwüstlich klang doch Haydns 60. (Man sollte nicht erst bis zu seinem 60. Geburtstag warten, um sie zu hören!) Mit welcher Genauigkeit, mit welcher spannungsvollen Verhaltenheit und zugleich welchem bezwingendem Schwung wurde hier und in den anderen Musikwerken des Abends (nicht nur die junge Violonistin ist hier hervorzuheben) durchweg unter der engagierten Leitung Thomas Hengelbrocks das klug ausgewählte Musikprogramm doch dargeboten.
Die Programmfolge Haydn, Prokofjew, Bartók weckte auch die Erinnerung.
Gerne erinnere ich mich daran, dass es in den 60er Jahren das Kölner Rundfunksinfonieorchester gewesen ist, das mir unter seinem damaligen Chefdirigenten Christoph von Dohnányi Bartóks „Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta “ unverlierbar nahe gebracht hat. Das ging mir damals unter die Haut. Auch die Erstbegegnung mit Haydns 53. Symphonie, der „Impériale“, und meine bleibende Vorliebe dafür verdanke ich einer Sendung des WDR von vor über 40 Jahren. Und wohl auch Prokofjews „Symphonie classique“ habe ich zum ersten Mal über diesen Sender gehört.
Gestern habe ich mich zwischendurch gefragt, welche Bedeutung die Abfolge so unterschiedlicher Orchesterwerke für die Musiker in actu wohl haben mag. Wirkt es sich auf die Spielweise in irgendeiner Weise aus, in welchem Kontext und in welcher Abfolge das jeweilige Werk aktuell steht? Klingen die einzelnen Werke je nach verändertem Kontext anders?
12:40 Uhr
Hallo Herr Landsberger,
da haben Sie einige sehr spannende Fragen gestellt, die es gilt, umgehend zu klären. Anfang Juni geht das WebTeam mit auf die Tournee der Duisburger Philharmoniker nach Polen und Litauen und da werden wir sicher viele Gelegenheiten haben, den Antworten nachzugehen.
Viele Grüsse,
Frank Tentler