21. Dezember, 2008

Von Licht und Dunkelheit – die Kinderoper «Das Lebenslicht»

Die Wiederaufnahme der Kinderoper das «Lebenslicht» aus der letzten Saison begeisterte Groß und Klein bem heutigen 2.Familienkonzert im Theater Duisburg. Schneekönigin, Tod, Lichtelwichtel, Elfen und Zwerge bevölkerten die Bühne und erzählte dabei eine Geschichte über Licht und Dunkelheit.

Kurz nach seinem Umzug nach Berlin in den Dreißiger Jahren geriet Armin Knab in eine tiefe Lebenskrise. «Zwei Seelen wohnen ach in meiner Brust» – diese Sentenz aus dem Faust beschreibt ganz gut die Lage in der sich Knab befand. Schon sein Studium zeigt diese zwei Seiten seiner Seele: Rechts- und Musikwissenschaft – das sind zwei Fächer, die eigentlich so nicht zusammenpassen. Nach langem Überlegen entschied sich der 1881 geborende Armin Knab dann doch für die Musik. Was für ein Glück für uns, denn so konnten wir die Kinderoper «Das Lebenslicht» in sieben Bildern an diesem Freitag-Nachmittag im großen Theatersaal erleben.

Dabei war dieses Konzert keine Premiere sondern eine Wiederaufnahme aus der vorherigen Saison – aber in gewisse Weise war es dann doch etwas anders und neu. Denn vom Theaterfoyer hatte man die Kinderoper auf die größere Bühne gebracht. Was natürlich inszenatorisch schon ein Herausforderung war, die aber von den Technikern der Philharmoniker und der Lichregie gemeistert wurden.

Zwei Besonderheiten zeichneten diese Aufführung aus. Zum Ersten: Es gab keine Generalprobe vor der Aufführung. Der Grund: Für die Oper «Don Carlos» hatte man am Abend zuvor den Orchestergraben um vier Meter nach unten versenkt. Da im Laufe der Kinderoper drei kleine Darsteller in den Orchestergraben springen wollte man natürlich kein Risiko eingehen – und bis der Graben dann wieder oben war, war einfach die Zeit zu knapp. Zum Zweiten gab es eine Umbesetzung: Die Rolle des ersten Sonnenstrahls sang nicht – wie im Programm angekündigt – sondern Franziska Pfeid.

Wenn ich behaupten würde, die Handlung sei rasch erzählt so wäre das zumindest eine kleine Dehnung der Wahrheit. Denn das Märchen von dem Mädchen Flachshaar, dass das Lebenslicht der kranken Mutter unter allerlei Gefahren heilt – nicht zuletzt dank der Hilfe von Frau Sonne, der Schneekönigin, des Himmlischen Gärtners und anderer Märchengestalten – ist doch etwas komplex. Um auch den kleineren Zuhörern das Geschehen zu erklären griff man daher in der Inszenierung auf eine Erzählerin zurück, die die einzelnen Bilder der Oper zusammenfasste oder schon mal einen kleinen Vorausblick auf die Handlung gab. Ein Mittel, welches auch schon bei der Uraufführung der Oper im Jahre 1926 in Würzburg eingesetzt wurde.

Knabs Musik ist durchaus anachronistisch, fließt strömend breit dahin und verwebt diverse Leitmotive miteinander. Majestätisch und eindrucksvoll wenn Frau Sonne auf der Bühne erscheint, dann wieder Schellengeläute wenn die Rede von dem Schlitten der Eiskönigin ist. Ein kleines Oboensolo für die Gießkanne des Himmlischen Gärtners zeigte zudem, dass Knab auch durchaus Humor besaß. Wer aufmerksam hinhörte, der konnte erahnen, dass einige Szenen melodramatisch angelegt waren – während das Orchester im Graben begleitete, sprachen die Kinder rhythmisch zu der Musik.

Mit der Wiederaufnahme durften wir im Hause einen alten Bekannten begrüßen. Denn die Leitung und die Inszenierung hatte Thomas Honickl inne. Von 2002 bis 2007 war er in unserem Haus als erster hauptamtlicher Konzertpädagoge angestellt. Ohne ihn hätte es das Konzert heute in der Form nicht gegeben, denn «klasse!klassik» ist seine ureigenste Erfindung und er leitete das Projekt lange Zeit. Momentan ist Herr Honickl in Bonn beschäftigt und ist dort als künstlerischer Leiter des Education-Projekts “Bobbys Klassik” des Beethoven-Orchesters tätig.

Von Christoph Müller-Girod
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