03. Juli, 2009

TRAUMZEIT 09 | Kitty Hoff, Foret-Noìr und das Brendel-Quartett

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Fotos: Christoph Müller-Girod

Klein und zierlich, fast zerbrechlich scheint Kitty Hoff zu sein kurz bevor der Auftritt beginnt. Von Kopf bis Fuß in Weiß gekleidet, mit langen weißen Schachtstiefeln die – so erzählt sie augenzwinkerisch später – ihr vor 58 Jahren von einer steptanzenden uralten Rumänin geschenkt wurde. Nur zu besonderen Gelegenheiten zu tragen und man weiß ja nie was passieren würde sagt sie dann. Um wenig später voller Energie einige Steppschritte hinzulegen. Zerbrechlich? Nicht im Geringsten. Weiter lesen…
Andererseits: Würde Kitty Hoff auf der Bühne einen langen grazilen Zigarettenhalterin der Hand halten würde man ihr noch mehr dieses Bild der Zerbrechlichkeit abnehmen. Dabei ist sie selbst es, die dieses Bild charmant mit ihren ironisch angehauchten Bühnenansagen verschiebt. Nein, Angst muss man um Kitty Hoff nicht haben – trotz der Tatsache dass ihre Chansons gerade von den Dingen erzählen die zwischen den Menschen zu finden sind. Es sind kleine Minutendramen, manchmal erzählen die Texte auch gar keine Geschichte. Sondern erschaffen einfach eine Stimmung, sind Wörtercollagen die eine ganz bestimmte Stimmung erzeugen. Meistens aber erzählen sie doch Geschichten: Von der Frau, die auf der Brücke steht – von den “Holzwegen ins Glück” – von Hoffnungen, Träumen und Riesenrädern.Beobachtet man die Gesichter des Brendel-Quartetts an diesem Abend während des Auftritts sieht man vor allem eins: Entspannte Gesichter. Oft scheint es als würden die Musikerfüße leicht mitwippen wollen, gerade noch so eben im Zaun gehalten während die Solisten sich in die Chansonarrangements einfügen. Kitty Hoff genießt es sichtlich, dass sie die Streicherarrangements, die sich auf ihrem dritten Album “Zuhause” finden, live ins Programm einbauen konnte. Ebenso wie einen weiteren Gast: Joachim Jannin. Er vertritt bei dem Chanson “Riesenräder” Coraline Clèment. Etwas verlegen, fast zögerlich singt er seinen Part, besser geht es da schon mit dem Duett, dass auch so auf “Zuhause” zu finden ist: “Ort im Grünen”.Ab und greift Kitty Hoff in einen Koffer, der auf der Bühne hinter einem kleinen Tisch mit Lampe und einem Mini-Hirsch in röhrender Pose steht. Dann holt sie eine Harmonika heraus, ein kleines Akkordeon oder ein Diktiergerät. Dinge, die überraschen, die den Chansons ab und an einen neuen Dreh, ja, eine neue Ebene beibringen. Ebenso wie sie zum Klavier schlendert um mal eben einige Takte Solo einzuwerfen. Und dann gibt es die Stellen, an denen der Rhythmus des Chansons sich ändert, abrupt, überraschend. Wie in “Mahagoni”. Schließlich wird diese Überraschung am Ende des Konzerts gesteigert, ganz zum Schluss als Zugabe spielt Kitty Hoff eine Singende Säge zusammen mit einer Zither, Alpen und Bayern lassen grüßen – aber das Idyll ist hier getrübt, ein Schuss von Melancholie wird spürbar.An diesem Abend hat Kitty Hoff zusammen mit ihrer Band Foret-Noìr und dem Brendel-Quartett das Publikum in ihre eigene Traumzeit mitgenommen. Eine Reise, die ruhige und idyllische Momente hatte, die Traurigkeit und Melancholie bot aber auch lebhafte, lebendige Stücke. Sie entlässt das Publikum ein Stück glücklicher.

Von Christoph Müller-Girod

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