KULTURAFFÄRE | Seasons of Love | Interview

Die Absolventen der Musical-Abschlussklasse der Folkwang Hochschule boten einen Liebesreigen der besonderen Art an. “Seasons of Love” – die Jahreszeiten der Liebe – in all ihren unzähligen Facetten wurden mit Schwung, Elan und Stimmen dargeboten. Ein Abend voller Entdeckungen und vor allem: Ein Abend mit strahlenden Stimmen.Weiter zum Interview
Bevor aber die Jahreszeiten mit Musical-Songs und Chansons am Publikum vorüberziehen konnten wurde eine Änderung in der Besetzung bekanntgegeben: Mariele Rüffert sprang für Merle Koch ein. Diese hatte sich das Bein verletzt. Als “stimmlich leicht angeschlagen” wurde dann noch Stefan Igeler angekündigt – doch fragte man sich im Laufe des Abends: Wenn dieser Solist nur mit halber Stimme eine witzig-charmante Interpretation von Georg Kreislers “Triangel” darbringt – was kann man dann erwarten, wenn er bei voller Stimme ist?
Interview Season of Love from Duisburger Philharmoniker mit Professor Gil Mehmert (FlipHDVideo Christoph Müller-Girod)
Entdecken konnte man an diesem Abend aber neben den anderen Solisten, die zusammen eine hervorragende Ensembleleistung bei der abschließenden Collage aus Songs des Musicals “Rent” darboten – in dem in deutscher Übersetzung auch der titelgebende Song “Seasons of Love” vertreten war – auch Musicals, die sonst eher nicht an Stadttheatern gegeben werden: “She loves me”, “Parade”, “Love Life”, “Urinetown” – das Ensemble unter der szenischen Leitung von Professor Gil Mehmert hatte aus dem Fundus der Musicals einige Stücke herausgeholt, die durchaus eine Neuentdeckung wert wären. Professor Michael Mills am Klavier und Stefan Turton als Perkussionist sorgten für die ausgezeichnete musikalische Begleitung.
Neben der Collage aus dem Musical “Rent” gab es diverse Höhepunkte. Dionne Wudu bot als Seeräuber-Jenny eine beeindruckend bedrohliche Darstellung und setzte später in “Mama will provide” aus dem Musical “Once on this Island” ihren ganzen Körper ein um die Ratschlage der Mutter an ein Kind zu vermitteln. Mit Metzgerschürze und Axt bekleidet besang Tim Ludwig das Metzgerglück – ein Chanson der Missfits. Im zweiten Teil des Programms dann schwankte er als Frischgeschiedener in Kurt Weills “Love Life” zwischen Himmelhochjauchzend und Zutodebetrübt – um schlussendlich trotzig außer Haus speisen zu gehen. Stefan Ingeler beleuchtete nicht nur brilliant den Job des Triangelspielers im Orchester, Georg Kreislers charmant-ironischer Text sorgte für Lacher im Publikum – sondern bot auch einen arroganten und hochnäsigen Gaston. Der in “Die Schöne und das Biest” von Alan Menken bekanntlich beim Werben um die schöne Belle so seine Probleme hat. Natalya Bogdanis arbeitete die Ironie des Chansons “Aschenbrödel” mit dem charmanten Einsatz von Putzmitteln heraus. “Sind die Sterne gegen uns” fragen sich Radames und Aida in der Neuauflage der Oper von Verdi – aus der Feder von Andrew Lloyd-Webber und Tim Rice. Jonas Heins Duett mit Dionne Wudu hatte Gänsehautgarantie. In “Ritz Rock’n Roll” – ein Song von Cole Porter – kehrte Heins dann den Elvis in sich heraus und brachte eine sehr jugendliche Adaption des King auf die Bühne. “50 Ways to Leave your Lover” gab dann Mariela Rüffert an das Publikum weiter.
Als Zugabe gab es zum Schluss nochmal eine Wiederholung des wunderschönen “I feel so much spring” und so rundete man damit dann auch die Jahrezeiten der Liebe ab. Belohnt wurden die kommenden Stars mit einem enthusiastischem Applaus. Wie immer konnte man bei “Meet the Artist” im Anschluss die Künstler direkt ansprechen und ihnen Lob oder Tadel mitteilen. Aber nach der herauragenden Inszenierung, die mit wenig Bühnenrequisiten auskam, sollte ja eher das Lob als der Tadel überwiegen. duisburger philharmoniker kulturaffäre






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