16. Mai, 2009

RING OHNE WORTE | Wenn ein Orchester Geschichten erzählt

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ring
Kein hochdramatischer Gesang. Keine theatralischen Gesten. Und keine eingeschlafenen Hinterbatzen nach stundenlangem „Hörgenuss.“ All jene, die darauf gut darauf verzichten können – und natürlich auch jene, die sich einmal nur auf die sinfonischen Momente von Richard Wagners Musik konzentrieren wollen – sind beim „Ring ohne Worte“ der Duisburger Philharmoniker bestens aufgehoben. Denn die Orchestermusik aus dem gigantischen Epos „Ring des Nibelungen“, in der Bearbeitung von Friedmann Dreßler, bietet dem Zuhörer ein sinfonisches Erlebnis, das kurzweilig, spannend und lohnenswert ist. Nein, kein Wagner  „light“, schon eher ein Wagner „Konzentrat“.

Diesmal geht es eben ganz ohne:„Weiche, Wotan! Weiche!Flieh’ des Ringes Fluch!“oderWeia! Waga!Woge, du Welle!Walle zur Wiege!Wagner selbst hätte wohl nie auf seine Texte verzichtet! Davon ist der stellvertretende Solo Cellist Friedmann Dressler, der sich an das komplexe und arbeitsintensive Neuarrangement des „Rings ohne Worte“ wagte, durchaus überzeugt. Warum dann überhaupt einen Ring ohne Worte? „Im Ring sind sehr viele sinfonische Passagen, in denen ohnehin niemand singt, wie z.B. im Trauermarsch aus der Götterdämmerung“, erklärt der gebürtige Dresdner, der sich laut eigener Aussage im zarten Alter von 16 Jahren bei einem Besuch in der Oper mit dem „Wagner Bazillus“ infizierte. „Zudem herrscht im Ring ein sehr rezitativischer Gesangstil vor. Die eigentliche Thematik, das Material, die Motive liegen also im Orchester.“ Und lachend fügt er hinzu: „Insofern hat es Wagner selbst mit verschuldet, dass man auf die Idee kommt, etwas wie den  „Ring ohne Worte“ zu machen…“Viel Spannung, reichlich EmotionenUnd dieser funktioniert ausgezeichnet. Hochemotional und spannungsgeladen werden die wichtigsten Stationen des Rings von den Philharmonikern sinfonisch erzählt: Der Vorabend. Der Gesang der Rheintöchter. Der Einzug in die Burg Wallhall. Das Schmiedehämmern der Nibelungen. Das Schicksal von Siegfried. Alles dran,  alles drin – nur diesmal eben nicht in 14 sondern in nur zwei Stunden. Vier Opern (Das Rheingold/Vorabend, Die Walküre/Erster Tag, Siegfried/Zweiter Tag und die Götterdämmerung/ Dritter Tag) sind auf’s äußerste komprimiert. Ohne Worte. Die braucht an diesem Abend niemand – den Zuhörer erwartet auch so, da sind sich Friedmann Dreßler sicher, ein geballtes musikalisches Wechselbad der Gefühle!Nun ist das Konzert in dieser Bearbeitung zwar eine Uraufführung, dennoch ist Friedmann Dreßler nicht der erste, der auf die Idee kam, Wagners Ring derart zu komprimieren.  Mehrfach haben sich Dirigenten und Arrangeure daran gemacht, aus dem opulenten „Ring“ ein sinfonisches Konzentrat zu ziehen, einen „Ring ohne Worte“. Darunter auch der Dirigent Lorin Maazel, der die Oper ohne Gesangspartien bereits in den 80er Jahren bearbeitete. Er verkürzte das Epos auf rund 70 Minuten, ohne dabei die Logik der musikalischen Handlung zu zerstören. Diese Fassung beschränkt sich auf die reinen Orchesterpassagen, die die wesentlichen Stationen der Handlung zusammenfassen. Friedmann Dreßler befindet die Regeln, die Maazel aufstellte als durchaus sinnvoll und gut, auch er hält sich an die unbedingte chronologische Abfolge der Musik. „Diese muss eingehalten werden, es darf nicht etwas gespielt werden, was im Zyklus erst später folgt.“ Im Gegensatz zu Maazel wählte Dreßler bei seinem Projekt aber an einigen Stellen andere Abschnitte aus, zudem hat er die Gesangsstimmen teilweise uminstrumentiert. „Das hat Maazel nicht gemacht, ich aber fand es reizvoll. Auch weil es an einigen Stellen gut möglich war, die Gesangstimmen in das Orchester mit hineinzuziehen.“So wurde der „Ring ohne Worte“ also noch nie gehört – auch das macht die Sache spannend.  Doch wann passiert was? Stellt sich für einige Zuhörer die Frage, insbesondere für alle, die weder Wagner Kenner sind, noch um die komplexe – und auch recht krude – Geschichte des „Ring des Nibelungen“ wissen, ob sie der ganzen Sache überhaupt angemessen folgen können, sprich, ohne „Wissen“ genießen können?„Auf jeden Fall! Die musikalischen Abschnitte sind auch für sich eine sehr starke, sehr emotionale, sehr intensive Musik“ zeigt sich der Bayreuth-erfahrende Friedmann Dreßler überzeugt. „Abgesehen davon sind ja rein instrumentale Passagen, wie Trauermarsch, Götterdämmerung oder Vorspiel, zweiter Aufzug, Walküre, von so großer suggestiver Wirkung, das man die ohne weiteres sehr schön hören kann, auch wenn man den Ring nicht kennt!“Und dann gibt es ja auch vor dem Konzert den „Konzertführer live“, den der Arrangeur diesmal gleich selbst übernimmt, um dem Publikum eine angemessene Einführung zu geben. Diese haben nicht nur „hörtechnisch“ Glück, denn anders als bei Richard Wagner – der die Musiker im Orchestergraben stets unsichtbar verschwinden ließ – sind die Duisburger Philharmoniker unter der Leitung ihres Dirigenten Jonathan Darlington beim „Ring ohne Worte“ in voller Aktion zu bewundern. So muss bei diesem 12. Philharmonischen Konzert  in Duisburg keiner auf große Gesten verzichten…Text: Silke Vogten„Der Ring ohne Worte“Mi 27. / Do 28. Mai 2009, 20.00 UhrMercatorhalle Duisburg im CityPalais

Von Christoph Müller-Girod

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