RING OHNE WORTE | Interview Friedmann Dreßler
INFO-BOX: Alle Informationen zum “Ring ohne Worte” auf einen Blick
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„Das macht man nicht, wenn man die Musik nicht liebt!“
Friedmann Dreßler, 47 Jahre, wurde in Dresden geboren und lebt seit 1987 in Duisburg, wo er stellvertretender Solo-Cellist bei den Duisburger Philharmonikern ist. Der Bayreuth-erfahrene Musiker schuf nun ein Neuarrangement des „Ring ohne Worte“, der beim 12. Philharmonischen Konzert in Duisburg am 27. und 28. Mai Uraufführung hat. Im Interview mit Silke Vogten gibt er Auskunft, wie man Wagner auch ohne Worte versteht – und was einen antreibt, vier Opern in zwei Stunden zu schaffen. Weiter lesen…
Herr Dreßler, sind Sie eigentlich Wagner Fan?
Ja, das kann man schon sagen. Ich bin mit dem „Wagner Bazillus“ infiziert, seit ich das erste Mal in der Dresdener Oper eine Aufführung sah. Ich war damals sechzehn Jahre alt – diese erste Begeisterung relativiert sich natürlich später sicher wieder… Heute spiel ich auch in Bayreuth im Festspiel Orchester. Also ja – durchaus ein Wagner Fan!
Man muss wohl auch Wagner Fan sein, um ein Neuarrangement des „Ring ohne Worte“ zu erschaffen?
(lacht) Allerdings. Das ist sehr arbeitsaufwendig – das macht man nicht, wenn man die Musik nicht liebt!
Rheingold und Walküre, Siegfried und Götterdämmerung. Der Ring der Nibelungen von Wagner ist ja ein epischer Opernzyklus, man muss sonst eine Menge Zeit mitbringen, um ihm zu lauschen. Nun gibt es die „vier Opern in zwei Stunden“. Herr Dreßler, warum ein Ring ohne Worte?
Das ist eine berechtigte Frage – denn für Wagner waren die Texte immer der Ausgangspunkt seiner Werke. Es war immer erst die Dichtung da, dann erst die Kompositionsentwürfe seiner Werke. Die erste Rheingoldaufführung war eigentlich eine Lesung, die er im Freundeskreis machte. In diesem Sinne ist ein „Ring ohne Worte“ auf den ersten Blick natürlich fragwürdig – Wagner selber hätte nie auf seine Texte verzichtet! Anderseits sprechen auch viele Argumente dafür: Im Ring sind sehr viele sinfonische Passagen, in dem ohnehin kein Sänger singt, wie z. B. im Trauermarsch aus der Götterdämmerung. Und zudem herrscht im Ring ein sehr rezitativischer Gesangstil vor. Die eigentliche Thematik, das Material, die Motive liegen also im Orchester. Insofern hat es Wagner selbst mit verschuldet, dass man auf die Idee kommt, etwas wie den „Ring ohne Worte“ zu machen… (lacht)
Also kann man durchaus auf den hochdramatischen Gesang, auf die theatralischen Gesten verzichten? Kann man hier sagen, dass das Orchester erzählt?
Das Orchester erzählt ohnehin. Es ist über weite Strecken sehr starker Träger des motivischen Materials – und damit eben auch der Emotionen!
Es haben sich ja schon mehrfach Dirigenten und Arrangeure daran gemacht, aus Wagners „Ring“ ein sinfonisches Konzentrat zu ziehen, einen „Ring ohne Worte“. Zu nennen sind hier zum Beispiel der Dirigent Lorin Maazel, der die Oper ohne Gesangspartien bereits in den 80er Jahren bearbeitete. Worauf haben Sie bei Ihrem Neuarrangement besonderen Wert gelegt? Was ist neu?
Maazel hat sich für sein Konzentrat gewisse Regeln aufgestellt, die durchaus sehr sinnvoll sind, sehr gut. Ich habe diese auch teilweise befolgt, so zum Beispiel die unbedingte chronologische Abfolge der Musik, die muss eingehalten werden, es darf nicht etwas gespielt werden, was im Zyklus erst später folgt. Ich habe jedoch bei meinem Neuarrangement an einigen Stellen andere Abschnitte ausgewählt, und zum anderen die Gesangsstimmen teilweise uminstrumentiert. Das hat Maazel nicht gemacht, ich aber fand es reizvoll. Zudem war es an einigen Stellen gut möglich, die Gesangstimmen in das Orchester mit hineinzuziehen. Insbesondere dort, wo die Instrumente, die dann spielen, ohnehin Pause hätten.
Wo lagen die Schwierigkeiten, was waren Herausforderungen?
Die größte Herausforderung ist weniger die Instrumentration. Diese erfolgt eh sehr behutsam, denn hier muss man aufpassen, nicht plötzlich fremde Klänge wiederzufinden. Schwierig sind bei diesem Projekt natürlich die Übergänge, da man diese Musik möglichst wenig antasten will – und es nur mit kleinen Mogeleigen erreicht, die Abschnitte aneinander zu fügen, ohne das ein zu großer hörbarer Bruch entsteht. Und das ist ja zwangsweise der Fall, da die Musik ja so nicht aneinandergehört…
Welche wesentlichen Stationen der Nibelungen werden denn bei ihrem Arrangement des „Ring ohne Worte“ sinfonisch erzählt? Worauf dürfen wir uns als Publikum freuen?
Wir fangen natürlich mit dem „Uranfang“ des Rheingoldes an, dem Vorabend, dem schönen tiefen Klang der Kontrabässe… dann kommt ein klein wenig der Rheintöchtergesang; sie verspotten den Alberich, der hinter ihnen her ist. Die Musik führt so zu dem Liebesfluch, wo Alberich das Gold der Rheintöchter raubt. Und mit dem Liebesfluch ist es ihm möglich einen Ring zu schmieden, mit dem er die Welt zu beherrschen gedenkt… Wir hören natürlich auch ein wenig die Instrumentration des Bleches, sie führt zur Darstellung der Burg Wallhall. Wir können dann erleben, wie die armen Nibelungen, die mittlerweile unter Alberichs Knute stehen, für ihn schuften müssen. Nun, wenn ich alles erzählen würde, ginge das wohl zu weit… (lacht) Wir nehmen schon an den wesentlichen Stationen des Ringes von Anfang bis zum Ende teil. Hier kann ich dem Publikum nur raten, sich einfach überraschen zu lassen.
Man muss also nicht unbedingt ein großer Wagner- sowie ein Ring des Nibelungen Kenner sein? Man kann die Musik und den Abend auch so genießen?
Auf jeden Fall! Die musikalischen Abschnitte sind auch für sich eine sehr starke, sehr emotionale, sehr intensive Musik. Geprägt von unterschiedlichen Charakteren, eben sehr abwechslungsreich. Abgesehen davon, sind ja rein instrumentale Passagen, wie Trauermarsch, Götterdämmerung oder Vorspiel, zweiter Aufzug, Walküre, von so großer suggestiver Wirkung, das man die ohne weiteres sehr schön hören kann, auch wenn man den Ring nicht kennt!
Dennoch gibt es kleine Einführung für das Publikum?
Es gibt wie immer unseren „Konzertführer live“, den werde ich an diesem Abend übernehmen, um das Publikum – in der wenigen Zeit, die dafür zur Verfügung steht – über den Ablauf des Abend zu informieren!
Wie würden Sie einem Laien die Faszination der Musik aus dem Ring des Nibelungen beschreiben? Möglichst knapp.
Die Musik ist sehr emotional, sehr spannungeladen. Sie hat sehr große Steigerungen, Höhepunkte. Doch trotz aller ihrer Emotionalität ist sie gedanklich gut konstruiert. Die Emotion gleitet nie in Banalität ab. Für den Zuhörer wird es ein sehr starkes Wechselbad der Gefühle geben – das ist sonst wohl in dieser geballten Form nicht so oft zu haben.
Und all das auch ohne Gesang. Sie sind ja auch Bayreuthkenner. Eine letzte Frage – lohnt sich Bayreuth mit dem Gesang? Wenn ja, warum?
Natürlich, Bayreuth lohnt sich auf jeden Fall! Einfacher Grund: In Bayreuth sind die Verhältnisse besonders bühnenfreundlich, die Gesangsstimmen kommen außerordentlich gut zur Geltung, man versteht dort vom Text gemeinhin mehr als in den Opernhäusern. Und außerdem ist es eine Herausforderung, eine geistige Aufgabe, einer langen Oper zu folgen, das alles aufzunehmen – und sich damit auseinander zu setzen. Allein schon deswegen sollte jeder einmal den Versuch unternehmen!
Wir freuen uns auf den „Ring ohne Worte“! Herr Dreßler vielen Dank für das Gespräch!





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