29. Januar, 2010

Promilesen mit Jonathan Darlington | Viel Heiteres und etwas Ernstes


Foto: Christoph Müller-Girod

Foto: Christoph Müller-Girod


Normalerweise dauert eine Reise von Paris nach Duisburg etwas um die drei Stunden. Normalerweise. Allerdings war heute ein etwas unnormaler Tag, denn Jonathan Darlington war mit dem Thalys um 08:00 Uhr von Paris aus abgefahren – und erst um halb Fünf in Duisburg. Dass sich dann der Einlass doch etwas verzögerte wurde vom wartenden Publikum mit Humor aufgenommen. Der Duisburger Bibliotheksdirektor Bibliotheksdirektor Dr. Jan-Pieter Barbian begrüßte die zahlreich erschienen Gäste. Jonathan Darlingtons Kurzvisiten in den letzten beiden Jahren hätten gezeigt, dass zumindest Duisburg nicht nur einen ausgezeichneten Generalmusikdirektor sondern auch einen fesselnden Vorleser hätte. Diesem Urteil konnte sich Robert Tonks, Vorsitzender der Deutsch-Britischen Gesellschaft Duisburg e. V. anschließen: “Yes, this man can read.”

Überwiegend Heiteres stand bei Jonathan Darlington auf dem Programm, wobei auch ernstere Töne nicht fehlen durften. Schon vom ersten Vers des Gedichtes “The Spider and the Fly” von Mary Howett lauschte das Publikum gebannt dem Vortrag unseres Dirigenten. Mit unterschiedlichen Tonlagen erfüllte Darlington die verschiedenen Charaktere der Gedichte mit Leben, unterstrich mit Gesten die jeweiligen Vorgänge und brachte den britischen Humor voll zur Geltung. Momentan, so verriet er, läse er er vor allem die Unsinnsgedichte von Jonathan Carroll und von Edward Lear seinem Sohn Max vor. Dieser versuche immer einen Sinn in den Sprachspielereien wie dem “Jabberwocky” zu finden, aber da gäbe es natürlich keinen.

Mit einem Auszug aus Charles Dickens Roman “Little Dorit” leitete unser Dirigent den ernsteren Block der Lesung ein – eine Schilderung des heißen Marseilles bei der Dickens sprachlich brilliant die Hitze des Tages in der Stadt mit der Kühle einer Gefängniszelle in Kontrast setzt. W. H. Audens “Stop all the clocks” dürfte den Meisten aus “Vier Hochzeiten und ein Todesfall” bekannt sein.

Rudyard Kiplings in Deutschland wenig bekannte “Just so”-Stories leiteten dann den Schluss der Lesung ein. Hier kam vor allem Darlingtons Liebe für den britischen Dichter Roald Dahl zum Tragen, dessen hintersinnige und teilweise schwarzhumorigen Gedichte – “The Ant-Eater”, “The Porcupine” – auch Erwachsenen Spaß machen. Mit zwei Gedichten aus den “Revolting Rhymes” in denen Dahl die Grimm’schen Märchen auf seine Art und Weise erzählt endete die eine Stunde und fünfzehn Minuten dauernde Lesung.

Von Christian Spließ

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