PROFILE KONZERT | Diashow
INFO-BOX: Alle Informationen zum 6. Phil. Konzert und Evgeni Koroliov
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Feuriger Dvorak, gefühlvoller Brahms – Evgeni Koroliov und das Brendel-Quartett
Das ausverkaufte Theaterfoyer feierte am Sonntag mit Standing Ovations die Leistungen unseres „Artist in Residence“. Maestro Koriolov begeisterte mit einem gefühlvollem Brahms und hielt beim Dvorák die Spannung zwischen langsamen und rascheren Stellen – das Brendel-Quartett der Duisburger Philharmoniker sorgte für ein Brahms Klavierquintett auf allerhöchstem Niveau.
„Wiegenlieder meiner Schmerzen“ hat Brahms seine drei Intermezzi für Klavier op. 117 bezeichnet. In ihnen verarbeitet Brahms den Schmerz über den Tod seiner Schwester – und das Motto, dass Brahms dem ersten Intermezzo voranstellte macht dies nochmal deutlich: Schlaf sanft, mein Kind, schlaf sanft und schön! Mich dauert’s sehr, dich weinen zu sehn. (Schottisches “Wiegenlied einer unglücklichen Mutter” aus Herders Volksliedsammlung “Stimmen der Völker”).
Evgeni Koroliov eröffnete das Profile-Konzert mit diese drei „Monologen“ für Klavier solo. Gefühlvoll und empfindsam arbeitete er zwar einerseits den Schmerz heraus, andererseits aber auch gelang es ihm bei den Stellen, in denen Brahms sich allmählich mit seinem Schmerz abzufinden scheint diese Gelassenheit, Schicksalsergebenheit dem Hörer deutlich zu machen. Besonders im dritten Intermezzo, dass überwiegen von einer melancholischen Grundstimmung geprägt ist war diese Dualität die in den Intermezzi vorhanden ist nochmals deutlich zu hören.
Fotos: Christoph Müller-Girod
Diese Dualität zwischen langsamen, eher nachdenklichen und dann wieder feurigen, überschäumenden Stellen prägt auch das Klaviertrio Nr. 4 e-Moll op. 90 „Dumky“ von Antonin Dvorák. Ein „Dumky“ bezeichnet ein elegisches, trauriges von Frauen gesungenes Volkslied. Bei Dvorák verdichtet sich diese Bedeutung und erweitert sich gleichzeitig. So beginnt der erste Satz mit einer kurzen Cello Fanfare bevor die Streicher in getragenen, beinahe himmlischen Sphären zu schweben scheinen – doch dann bricht das böhmische Temperament aus Dvorák heraus. Die Gefahr, dass die schnellen Stellen davonrasen, während die langsamen Stellen eher träge daherkamen war unter Maestro Koroliov nicht gegeben – hier passten die jeweiligen Tempi, hier wurde ein Trio dargeboten, dass man wirklich als „himmlisch“ bezeichnen kann. Hervorzuheben auch das wunderbar filigrane Cello von Kerstin Hytrek und die eindrucksvolle melodische Violine von Christiane Schwarz. Wer genauer hinhörte könnte eventuell ab und an einen Einfluss von Brahms gehört haben – denn dieser nahm die anstrengende Aufgabe der Korrekturlesung auf sich bevor das Werk in Druck ging.
Der mit Dvorák befreundete Komponist Brahms war dann nach der Pause mit seinem Klavierquintett f-Moll op. 34 zu hören. Ein Werk, das sowohl symphonische Ansätze als auch rein klavieristische Aspekte in sich vereint – kein Wunder, wenn man die Vorgeschichte kennt. Das Werk sollte ursprünglich als reines Streicherquintett das Licht der Welt erblicken, wurde dann aber nachdem der berühmte Geiger Joseph Joachim Einwände hatte von Brahms umgearbeitet. Für Klavier zu vier Händen. Clara Schumacher dann regte Brahms erneut zu einer Bearbeitung an – und so haben wir heute zwei Fassungen dieses Werkes vor uns.
Brahms Konzept der sich entwickelnden Variationen ist in diesem Werk nicht ganz so deutlich zu hören – eher klingt im ersten Satz der Sonatenhauptsatz nach, während der zweite Satz mit seiner wunderschönen Klavierbegleitung – aus der sich das Klavier dann kantilenenartig hören lässt – durch das Spiel von Maestro Koroliov sehr zur Geltung kam. Im Finale zeigte dann das Brendel-Quartett, dass Brahms mit der erneuten Umarbeitung des Werkes eine Intensität und eine Wucht reinbrachte, die allein durch zwei Klaviere nicht so zu Geltung gekommen wäre. Mit Energie und Verve begeisterten das Brendel-Quartett der Duisburger Philharmoniker und der „Artist in Residence“ Evgeni Korliov das Publikum, dass sich mit Standing Ovations bei den Künstlern bedankte. duisburger
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06:47 Uhr
Lange bevor das gestrige vor-mittägliche Koroliov+Brendelquartett-Konzert als dringender Anziehungspunkt in meinen Blick geriet, war der Abend für mich längst durch das Gastspiel des Takács-Quartetts (Haydn, Rihm, Schumann) in der Essener Philharmonie besetzt. Spätestens das von mir intensiv miterlebte Mittwochskonzert der Duisburger Philharmoniker entschied jedoch, dass ich auch das gestrige Matinee-Konzert in Duisburg, wann immer ich noch eine Karte erwerben konnte, mitbekommen m u s s t e. Und so wurde der ganze gestrige Sonntag für mich zu einem erlesen wunderschönen Kammermusiktag!
Sogar eine nachmittägliche Überleitung zwischen beiden Konzerten hatte ich mir zumindest im Geiste ausgemalt. Durch eine CD mit dem Takács-Quartett und Andreas Haefliger (die ich mir heute erst im Nachhinein wieder einmal anhören werde) hätte sehr gut der Bogen zwischen beiden Kammerkonzerten geschlagen werden können. Zwischen dem (Duisburger) Klavierquintett (!) von Johannes Brahms mit Evgeni Koroliov und dem Brendelquartett und dem (Essener) „Kai-serquartett“ Joseph Haydns hätte dann das Klavierquintett op. 81 von Antonín Dvořák gestanden, das eine nachträgliche Verbindung auch noch zum ebenfalls in Duisburg gehörten Dumky-Klaviertrio Dvořáks geschlagen hätte.
Die Duisburger Zusammenstellung war wie für mich gemacht. Nur Lieblingswerke waren für mich zu hören.
Die Staffelung hat mich ebenfalls überzeugt. Nur ein so großer Pianist wie Evgeni Koroliov kann es wagen, mit so einem wehmütig-leisen Stück wie dem ersten der im Fortgang natürlich insgesamt gespielten drei Intermezzi op. 117 von Johannes Brahms zu beginnen. Aber er kann es eben auch unerhört zartbezwingend spielen, auch wenn man – wie z. B. ich – noch Wilhelm Kempff als Ersteindruck im Ohr hat. Wie wichtig überhaupt ist das erste Stück in einem Konzert? Der erste Ton, die erste hörbare musikalische Phrase? Wie wichtig ist es für das Gelingen eines gesamten Kammerkonzertes, wenn zunächst der Erfahrenste, Bewährteste der kleinen Musiker…gruppe, die sich zumindest für dieses eine Mal zu gemeinsamem Tun zusammengefunden hat, als Solist den Anfang macht? Schafft das eine gewisse Sicherheit für alle Beteiligten?
Und so hörten wir nach und nach Koroliov allein (flügeltechnisch mit höchstmöglicher Klangwirkung auch bei den leisesten Tönen) und danach Koroliov + 2 (mit etwas weniger weit geöffnetem Flügeldeckel) und schließlich Koroliov + 4, also mit dem gesamten Brendel-Quartett. Wie wichtig ist es für noch so junge, wenn auch schon so erheblich fortgeschrittene Musiker… mit einem so namhaften Musikerkollegen wie Evgeni Koroliov zusammenarbeiten zu dürfen? Was nehmen sie davon mit? Welche Ermutigung, welche Impulse gehen davon aus? Wie beglückend ist es, wenn diese zwei, dann vier, spätestens im Konzert selber erkennen, dass sie sich selbst auch schon viel zutrauen dürfen? Wie wirkt sich das auf ihre weitere Arbeit in ihrer Kam-mermusikvereinigung wie im Orchester aus?
Für uns als Publikum ist es wichtig, wenn wir mehr und mehr entdecken, welch großartige Kunst in den bedeutenden kammermusikalischen Werken der Vergangenheit und Gegenwart doch steckt, die sich hinter den spektakulären Orchesterwerken eben ganz und gar nicht zu verstecken braucht. Nicht zu Unrecht wird mitunter gesagt, dass sich die eigentliche Größe eines Komponisten erst in seiner Kammermusik erweist.
Überdies bin ich fest davon überzeugt, dass die kammermusikalische Praxis einzelner Gruppen eines Orchesters, wie sie erfreulicherweise auch in Duisburg zu einem guten Ton geworden ist, wechselwirkend dem ganzen Orchester zugutekommt und weiter zugutekommen wird.
05:08 Uhr
Sehr geehrter Herr Günter Landsberger,
ich danke für den Hinweis auf die unbeabsichtigte Dezimierung des Klavierquintetts (Klavierquartett) und freue mich sehr auf Ihren nächsten Beitrag.
Grüße,
Christoph Müller-Girod