POLYPHONIE | Stimmen der kulturellen Vielfalt

Dass das Ruhrgebiet besonders von der Migration geprägt ist, das kann man nicht nur von den unzähligen Namensschildern an den Haustüren der Region ablesen sondern auch wenn man in den Tante-Emma-Laden nebenan einkaufen geht. Die Begegnung der Kulturen und das Einbringen in die Gesellschaft fördert ein Projekt, das noch bis 2010 läuft und das im Theaterfoyer in Duisburg zu Gast war: Polyphonie – Vielfalt der Stimmen.
Danko Rabrenovic, Moderator bei Funkhaus Europa, hatte es schon manchmal schwer mit der Aussprache der Künstlernamen. Kein Wunder, denn aus Polen, Kroatien, Mexiko, den Niederlanden, der Türkei, Marokko, Russland, der Ukraine und Indonesien kamen die Künstler, die seit Jahren hier im Ruhrgebiet eine zweite Heimat gefunden haben. Zusammen mit Vera Westera haben die Sänger und Sängerinnen, die keine Profis sind übrigens, an ihren Liedern gefeilt und das Repertoire war ebenso bunt wie die Herkunftsländer. Arrangiert und dirigiert wurde das wahre Potpourri an Melodien von Bojan Vuletic.So stand der 84jährige Wim Kalkman mit “I get a kick out of you” von Cole Porter auf der Bühne – das Mitschnippsen und Mitwippen war hier definitiv erlaubt. Wobei: Die “Zugabe”-Rufe waren dann doch etwas verfrüht, aber natürlich gabs am Ende mit “Besame Mucho”, gesungen von allen Sängerinnen und Sängern, eine Prise lateinamerikanisches Flair. Beeindruckend war der Tempowechsel bei “Polegala Trava Detela” – ein koratisches Traditional, erst ganz langsam a capella vorgetragen, dann konnten die Instrumente sich aber scheinbar nicht mehr beherrschen und zogen das Tempo an. Bemerkenswert auch, dass Dirigent Vuletic nicht nur beim Stück “Lalla Fatima” mit rhythmischem Klatschen die Rhythmusgruppe unterstützte, auch als Komponist war er zu erleben: “Aqui” hieß das Lied. Aline Asvian trug es in Französisch, Kroatisch und Spanisch vor.Die bunte Mischung zwischen Jazz, italienischer Romanze und traditionellen Liedern liegt darin begründet, dass das Motto des Projekts Polyphonie lautet “Singen Sie das Lied Ihres Lebens!” Noch bis 2010 läuft das Projekt, dass dann seinen Abschluss in einem Gesangsfestival in der Mercatorhalle finden wird. Die Einbeziehung der Migranten 50plus zeigt, wie andere Kulturen diejenige des Ruhrgebietes bereichert haben. Da Musik die Sprache ist, die überall verstanden wird, fördert gerade dies auch die Akzeptanz der Fremdartigkeit und weckt die Neugierde auf das, was jenseits des Gartenzaunes zu sehen und zu hören ist. Dass dieses Konzept funktoniert, bewiesen heute ein ausverkauftes Opernfoyer sowie der enthusiastische Applaus des Publikums.






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