03. April, 2009

PLAYLIST 6 | 0 Bock auf Klassik

Da gibt man sich redlich Mühe beim Vortragen, achtet auf alle Sforzatos und Piano-Zeichen beim Vorspielen, fühlt sich mit der ganzen Seele in das Werk des Komponisten hinein – und was bekommt man dann zu hören? “Klang ja gar nicht so schlecht.” Von wegen: Ganz ausgezeichnet klang die Uraufführung der “Suite de Philharmonixx” bei der 6. Playlist.
Martin Schie, Laszlo Kerekes und Christoph Lamberty sind die “Philharmonixx”, denen Manuel Munzlinger seine Suite gewidmet hat. Dabei bestand die besondere Herausforderung für den Komponisten in der Besetzung: Oboe, Fagott und Schlagzeug. Dafür eine Musik schreiben, die leicht, witzig und etwas jazzig ist – geht das? Ja, es ging. Denn: Manuel Munzlingers Musik hat Charme und Esprit, ist eingängig – aber keineswegs simpel. Da mögen zwar Titel wie “Übnixx” als Satzüberschrift stehen, doch die Suite verlangt durchaus präzise und teilweise recht schnelle Tempi – bis auf den langsameren, getrageneren “Kruziphixx”-Satz – und ein Gefühl für komplexe Rhythmik. Die Reduktion auf das Wesentliche, die Beschränkung auf das Einfache war hier Inspiration für sieben Sätze, die teilweise an die Ragtimes von Scott Joplin, teilweise an die Verfremdungen von Jacques Lossier denken ließen. Es ist gerade die Kunst das Einfache so zu schreiben, dass es eingängig aber nicht simpel ist. Die “Suite de Philharmonixx” spielt zudem mit Formeln aus dem Barock, versetzt diese lustvoll in die Jazz-Harmonik und betrachtet das Ganze mit einem leichtem Augenzwinkern.Philharmonixx – Live @Hundertmeister from CMG / JE Hyper MediaDie Zwischensätze setzte dann Kai Magnus Sting, der gekonnt die ganzen Untugenden persiflierte, die es im Konzertleben gibt. So etwa den geräuschvoll hustenden, ein Bonbon hervorkramenden Konzertbesucher, dem es gelingt den ganzen Saal zu unterhalten. Das typische Getuschel eines Paares, das von der Musik so gar nichts versteht aber mal ins Konzert ging weil “die Schmidts von nebenan” das ja immer tun würden. Auch im Rest des Programms war ab und an die Rede von Klassikern – so, wenn beim Konzertfestival es mal wieder Orchester versus Orchester versus Dirigent geht und das oberste Ziel dann erreicht ist, wenn das Publikum den Saal fluchtartig verlässt. Klassisch auch der Versuch des Mannes, seiner Frau eine Art von Kompliment zu machen – was dann prompt zu einem pointenreichen Wortgefecht ausartet.Kai Magnus Sting und die “Philharmonixx” boten einen Musik-Kabarett-Abend, der bewies, dass das Schwere mit dem Leichten Hand in Hand gehen kann. Und umgekehrt: Denn die leichte Kunst ist am Schwersten zu machen…Foto: Georges Furtkamp

Von Christoph Müller-Girod

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