Tourneemusik | Tschaikowski | Serenade für Streicher op. 48
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Foto: Christoph Müller-Girod, Probe Kongresszentrum Vilnius
Eine Serenade – das ist Musik, die draußen gespielt wird und heiteren und lieblichen Charakter hat. Musik, die an Sommerabenden gespielt wird und die schnell ins Ohr geht – und meistens, das muss man dann auch eingestehen, wieder aus dem selbigen verschwindet. Meistens überdauern diese Gelegenheitswerke auch nicht die Zeit. Außer der Komponist heißt Mozart oder Tschaikowsky.
Beide Komponisten in einem Satz zu nennen fällt beim Op. 48 nicht schwer – nicht nur weil die Gattungsbezeichnung selber beide verbindet, auch weil Tschaikowsky sich ausdrücklich auf sein Vorbild Mozart für dieses Werk bezogen hat. Zugegeben: Von der Gestaltung her ist der erste Satz eher nicht mozartisch. Denn anders als im ersten Satz einer Sonate fehlt hier die Durchführung, die Bearbeitung des Hauptthemas. Es ist also keine strenge Nachgestaltung, sondern eher eine freie Annäherung geprägt von Tschaikowskis Stil. Um die Form der Serenade zu wahren wird dieses Thema am Schluß des Werkes wiederholt werden.So wie Mozart selbstverständlich das Menuett einband, so scheinbar selbstverständlich ist der Walzer, der in der Serenade zu hören ist. So typisch – ja – Tschaikowski. Rauschend wie man sich die Ballnächte vorstellen kann. Aber wie die Unruhe der Uhr, die diese in Bewegung hält, so schleicht sich auch etwas Unruhe in den Mittelteil ein. So, als ob die Ballnacht durch eine Kleinigkeit, die man allerdings nicht benennen kann, gestört wird. Tschaikowski selbst gestand, dass er zwar Walzer lieben, sich in Gesellschaft aber nicht so ganz wohl fühlen würde. Ein Widerhall davon ist in dieser Serenade zu spüren.Was den Hörer aber wohl am meisten irritieren dürfte: Mitten in dieser Wonne an Musik bricht auf einmal die Elegie selbst sich Bahn. Ein Choralthema als dritter Satz, in der Mitte unterbrochen von einer Kantilene, die zuerst in den hohen Streichern zu hören ist. Hätte man diesen ernsteren Ton nicht als zweiten Satz erwartet? Anstatt des Walzers? Ist es der Katzenjammer, der nach der rauschenden Ballnacht eintritt, wenn man bereit ist die Sünden der Nacht zu büßen? Wer weiß. Durch die langsame Einleitung des letzten Satzes wird diese Atmosphäre ein wenig aufgenommen. Das mit “Tema russo” überschriebene Werk beinhaltet zwei Volkslieder, die Tschaikowski schon für Klavier zu vier Händen bearbeitete – in den 50 russischen Volksliedern für Klavier, Nr. 28 für die Einleitung und Nr. 42 für den Variationensatz.Seit der Uraufführung am 31. Oktober 1881 in St. Petersburg erfreut sich diese “Serenade für Streicher” großer Beliebtheit – vor allem der dritte Satz wird häufig von Balettchoreographen in Szene gesetzt. Dass das Leichte schwer zu machen sei trifft sicherlich zu. Manchmal ist die Unterscheidung zwischen E- und U-Musik allerdings dann doch kniffliger als man glaubt. Wie Tschaikowskis “Serenade für Streicher” eindrucksvoll beweist.
Logo: Susanne Hayduk





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