PINA BAUSCH | Nachruf auf eine Revolutionärin
Fotos: Christoph Müller-Girod
Mit Pina Bausch verstirbt eine Künstlerin die mit ihrer Montage-Arbeit und Work-In-Progress-Werken dem Tanztheater ihren eigenen Stempel aufdrückte. Ihr Leben begann am 27.07.1940 in der Messer- und Klingenstadt Solingen, es endete am 30.06.2009 in der Schwebebahn-Stadt Wuppertal Weiter lesen…
Dass Philippina “Pina” Bausch als drittem Kind der Familie das Talent in die Wiege gelegt wurde zeigte sich schon in der Kindheit der Künstlerin. Als Kind nahm sie schon Ballettunterricht, trat in den verschiedensten Stücken auf. 1955 dann: Die Essener Folkwangschule. Da war sie gerade 14 Jahre alt. Die Ausbildungsstätte prägt, später wird sie von 1985 bis 1989 nach Essen zurückkehren und die Leiterin des Studienbereiches Tanz werden. Doch das ist später. Erstmal steht die Ausbildung unter Professor Kurt Joos an, die sie 1958 mit dem Examen abschließt.Sicherlich mag der Folkwang-Leistungspreis, den sie als erste Künstlerin überhaupt erhielt, ein wenig den Ausschlag fürs Stipendium des DAAD gegeben haben. Dieses schloss sich 1959 an und Pina Bausch reiste in die USA an die Juilliard School in New York. Im Lincoln Center in Manhatten beheimatet ist die Juilliard School neben dem Curtis Institute das führende Musikkonservatorium und die führende Schauspielschule der USA. Zu den ehemaligen Schülern zählen unter anderem Phillip Glass, Yo-Yo Ma oder John Williams. Pina Bauschs Lehere an der Juilliard: José Limón und Antony Tudor. Die nächste Station nach der Juilliard ist die Dance Company von Paul Sanasardo und Donya Feuer. Gekrönt wird der USA Aufenthalt für Pina Bausch dann 1961 von einem Engagement an der Metropolitan Opera in New York.Ihr alter Lehrer Professor Kurt Joss ist es, der sie zurück nach Deutschland einlädt und in den nächsten Jahren arbeitet sie eng mit ihm zusammen, ist Solistin im Folkwang-Ballet, assistiert ihm. Ab 1967 ist sie mit dem Bühnenbildner Rolf Borzik zusammen – eine Verbindung die bis zu seinem Tod im Jahre 1980 halten wird. 1968 entstehen die ersten eigenen Choreographien. Schließlich tritt sie ein Jahr später Joos Nachfolge an und bleibt der Essener Folkwang bis 1973 treu. Arno Wüstenhofer ist es schließlich, der sie 1973 nach Wuppertal holt. Der Intendant der Wuppertaler Bühnen lässt Pina Bausch den Freiraum, den sie zu ihrer Entwicklung braucht und schließlich wird das Tanztheater sogar nach ihr benannt.
Fotos: Christoph Müller-Girod„Meine Stücke wachsen nicht von vorne nach hinten, sondern von innen nach außen”, hat sie einmal gesagt. Als sie 1976 Brecht und Weills “Die sieben Todsünden der Kleinbürger” inszeniert ist davon schon ein wenig zu spüren. Ihr Montage-Stil, in dem Sprache, Pantomine und Tanz gleichbereichtigt integriert sind, ist eine Abkehr vom traditionellen Handlungs-Tanztheater. Während der Proben mit den Künstlern versuch sie immer, Neues zu finden und dieses Neue, diese Improvisationen die dabei entstehen, in ihre Balette einzubauen. Wichtig: Die Wiederholung. Teilweise, wie in ihrem Stück “Blaubart”, wird dieselbe Szene immer und immer wiederholt, nur in Nuancen abweichend. Ihre Stücke sind Collagen und fangen den Zuschauer mit ihrem Schwebezustand zwischen Wachen und Träumen ein.Pina Bausch verankert das Tanztheater im Bewußtsein der Deutschen. 1980 wird sie zum ersten Mal zum Berliner Theatertreffen eingeladen – 1983 die Einladung nach Avignon. Nachdem ihr Lebensgefährte Rolf Borzik 1980 an Krebs stirbt geht sie eine neue Verbindung mit dem Deutsch-Chilenen Ronald Kay ein. Ihr gemeinsamer Sohn Rolf Salomon kommt im September 1981 zur Welt. 1982 übernimmt sie eine Rolle in Federico Fellinis Film „E lanave va“. Lange Zeit arbeitet sie nur für ihr Ensemble und ihre Tänzer – erst 1997 arbeitet sie mit der Pariser Oper zusammen um Strawinskys “Le Sacre du Printemps” neu einzustudieren.1998 feiert Wuppertal das 25-jährige Bühnenjubiläum des Ensembles und damit auch gleichzeitig die bekannte Künstlerin. 428 Künstlern aus 31 Ländern geben sich die Ehre in einem mehrwöchigem Tanzfest. Entschieden erhebt Pina Bausch 2002 ihre Stimme gegen die Stadt Wuppertal. Deren Pläne, das Schauspiel- und das Opernhaus zusammenzulegen – aus Kostengründen – werden durch ihre Fürsprache verhindert. Im November 2008 berichteten wir über die Verleihung des Duisburger Musikpreises im Lehmbruck-Museum.Achtzehn Tage nach der Uraufführung ihres letzten Werkes, des “Stückes von Pina Bausch” verstarb mit Pina Bausch eine Revolutionärin des Tanztheaters.Laudatio von Jürgen. Flimm bei der Musikpreisverleihung der Stadt Ende 2008 :{play}http://www.dacapo-dp.de/content/Laudatio-J.Flimm.mp3||#000000[BGCOLOR]|{/play}





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