27. Januar, 2009

„Meine Sprache verstehet man durch die ganze Welt“

Das dritte Duisburger Kammerkonzert ist Joseph Haydn gewidmet

Joseph Haydn steht im Zentrum des dritten Duisburger Kammerkonzerts am Sonntag, 1. Februar um 20 Uhr in der Philharmonie Mercatorhalle. Im Mai jährt sich der Todestag des Komponisten zum 200. Male – Anlass für zahlreiche internationale Aktivitäten, die das Erbe des berühmten, aber keineswegs populären Meisters auf neue Weise beleuchten. So wendet sich das Haydn Trio Eisenstadt derzeit in einem groß angelegten Projekt den etwa 400 Bearbeitungen schottischer Volkslieder zu, die Joseph Haydn im Auftrag englischer Verleger geschaffen hat. Aus diesem Schatz kunstvoller und origineller Adaptionen wird das Ensemble in Duisburg eine repräsentative Auswahl vorstellen. Mit Lorna Anderson (Sopran) und Jamie MacDougall (Tenor) sind zwei sehr erfolgreiche junge Sängerpersönlichkeiten zu erleben, die durch ihre schottische Herkunft mit den folkloristischen Quellen dieser Musik natürlich bestens vertraut sind.

Nicht zum ersten Mal huldigt das Haydn Trio auf diese Weise seinem großen Namenspatron, der fast 30 Jahre lang am Eisenstädter Hof der ungarischen Adelsfamilie Esterházy wirkte. 2007 vollendeten Harald Kosik (Klavier), Verena Stourzh (Violine) und Hannes Gradwohl (Violoncello) ihre Gesamteinspielung aller 42 Haydn-Klaviertrios, die – so die Fachzeitschrift FonoForum – „mit leichter Hand einen Bogen über diesen vielgestaltigen Werkkomplex spannt“. Neben dem „Geistertrio“ D-Dur op. 70/1 des größten (aber stets höchst kritischen) Haydn-Schülers Ludwig van Beethoven steht in Duisburg auch eine Uraufführung auf dem Programm: Zum Haydn-Jubiläum 2009 haben die Haydn Festspiele Eisenstadt in Verbindung mit dem Haydn Trio Kompositionsaufträge für Klaviertrios an 18 Komponisten vergeben. „Dedicated to Haydn“ heißt das international ausgerichtete Projekt, das einem berühmten Leitspruch des Komponisten verpflichtet ist: „Meine Sprache verstehet man durch die ganze Welt“. In Duisburg kommt der Beitrag des Österreichers Helmut Hödl zur Uraufführung, der seit zehn Jahren in Haydns burgenländischer Wahlheimat als Hochschullehrer tätig ist.

Die Karten für das Kammerkonzert kosten zwischen 8,50 und 18 Euro, ermäßigt 4,25 und 9 Euro. Tickets

duisburger philharmoniker kammerkonzert haydn

Von Christoph Müller-Girod
Allgemein

Kommentare

  1. Günter Landsberger 31. Januar 2009
    07:42 Uhr

    “Mozart gehört meine ganze Liebe.”, sagte Karl Böhm einmal.
    Und dem Joseph Haydn nicht wenigstens auch ein bisschen? –
    Und dem Schubert, dem Beethoven, dem Brahms … nicht auch? –
    möchte man dazwischenfragen.

    Für mich war es ein großes Ereignis, als das Beaux-Arts-Trio seinerzeit zum ersten Mal sämtliche Klaviertrios Joseph Haydns für die Schallplatte aufgenommen hatte. Da gab es so nach und nach so unendlich viel zu entdecken: altes, längst Bewährtes (wie das hinreißende sogenannte “Zigeunertrio”(Klaviertrio Es-Dur Hob. XV: 11) neu und anderes noch nie und nun endlich (!) Gehörtes.

    Haydn hat mich eigentlich ein Leben lang begleitet. In der Haydngasse der Mozartstadt Salzburg bin ich geboren. (Allerdings ist diese Gasse, wie ich erst sehr viel später festgestellt habe, nicht nach Joseph Haydn so benannt worden, sondern nach seinem jüngeren Bruder Michael, dem “Salzburger” Haydn, der ein auch nicht zu verachtender Komponist gewesen ist.) -
    Auf dem Klavier meiner Mutter lagen Noten zu Haydn- und Mozart-Klaviersonaten und zu Schubertmärschen bereit. -
    Mein erstes großes und fortan prägende Erlebnis war Ende der 50er Jahre im Essener Saalbau eine Aufführung des Oratoriums “Die Schöpfung” von Joseph Haydn. -
    1980 war ich mit meinem Deutsch-LK auf einer Studienfahrt in Wien. Einen unserer Reisetage hatten wir für einen Abstecher ins Burgenland (u. a. nach Rust und Eisenstadt) vorgesehen. Dabei ließ ich es mir nicht nehmen, einen Zwischenhalt nicht nur in Carnuntum, sondern auch in Rohrau, dem Geburtsort Joseph Haydns, zu machen. Wie sehr habe ich mich selbst (und hoffentlich auch andere) damit beglückt! Aus jedem der einzelnen Räume der Haydn-Gedächtnisstätte ertönte schlagartig beim Eintreten äußerst passende, bezwingend ausgewählte Haydnmusik. Wie stark wirkte das auf mich, nachdem ich so lange (vier Tage schon!) keine Musik mehr gehört hatte! Und dann diese in diesem Umkreis! Aus welchen bescheidenen Verhältnissen ist doch da ein so großer Komponist hervorgegangen. Niemals zuvor und niemals danach hat mich der Besuch einer Künstlergedenkstätte derart bewegt, ja gerührt. Das heißt, bei Schubert am Himmelpfortgrund in Wien war das viele Jahre später ganz ähnlich. Aber bei Goethe (in Frankfurt), bei Grillparzer (in Wien) und bei Smetana (in Prag) war das nicht so.

  2. Günter Landsberger 31. Januar 2009
    11:23 Uhr

    Noch eins:
    Aus dem Haydn-Jahr 1982 (250 Jahre nach Haydns Geburt) ist mir noch ein bestimmter Tag ganz besonders im Gedächtnis geblieben: Am 31. März 1982 veranstaltete der WDR (3. Programm) einen ganzen Tag mit Musik Joseph Haydns in besten Aufnahmen. Durch das Programm geführt hat damals – so anregend kommentierend wie sachkundig plaudernd – der in Wien geborene Wilhelm Matejka. http://www.maerzmusik.de/de/archiv/festivals2008/02_maerzmusik08/mm_08_kuenstler/mm_08_Matejka_bio.php
    An der Qualität dieses Sendetages sollten sich alle Beiträge des laufenden Haydn-Gedenkjahres (hier und anderswo), noch dazu mit dem ureigenen Bonus, dem Präsenzvorteil unmittelbarer Live-Konzerte, ohne Abstriche messen lassen können.
    Das ist “ein Ziel, aufs innigste zu wüschen”.
    Aber die Chancen dazu stehen ja gut.

  3. Hallo Herr Landsberger,

    vielen Dank für Ihren sehr informativen Einblick!

    Werden Sie heute Gelegenheit haben, das Konzert zu besuchen? Wenn ja würden wir uns sehr über Ihren persönlichen Eindruck freuen.

    Viele Grüsse,
    Frank Tentler

  4. Günter Landsberger 1. Februar 2009
    14:23 Uhr

    Hallo Herr Tentler,
    ich komme heute leider nicht dazu, das Konzert zu besuchen, da der gestrige Abend und die heutige Mittagszeit schon seit langem durch andere Veranstaltungen besetzt waren. Es wäre vielleicht doch etwas zu viel auf einmal.
    Aber beim nächsten Philharmonischen Konzert bin ich wieder dabei.
    Mit vielen Grüßen
    Günter Landsberger
    Ich wünsche den Ausübenden am heutigen Abend sehr viel Erfolg und den Besucher…n sehr viel Freude.
    (Wie der 2. Satz des Beethovenschen “Geistertrios” sich zwischen den beiden Ecksätzen heute abend ausnehmen wird, hätte mich im übrigens auch sehr interessiert. Und die Haydnschen “Schottischen Lieder”, von denen es später ja auch bei Beethoven einige gibt, die mir sofort gefallen haben! Viel Freude! – kann ich da nur abermals sagen.)

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