Tourneemuisk | Ludwig van Beethoven | Klavierkonzert Nr. 4 G-Dur op. 58
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Foto: Christoph Müller-Girod, Probe Kongresszentrum Vilnius
Wer heutzutage stöhnt, dass Konzerte einem viel zu lange dauern würden, der hätte bestimmt am 22. Dezember 1808 nach der Hälfte des Konzerts empört den Saal verlassen. Immerhin standen damals Auszüge aus Beethovens Messe C-Dur op. 86, seine fünfte und sechste Symphonie, die Chorfantasie und – die Uraufführung des Klavierkonzertes Nr. 4 in G-Dur op. 58 auf dem Programm.
Nach dem überaus heroischem drittem Klavierkonzert ist das vierte Konzert ein überraschendes. Statt Pathos und Glamour steht hier ein schlichtes, lyrisches Thema im ersten Satz im Mittelpunkt. Welches dann auch noch als Erstes vom Klavier vorgetragen wird – anstatt dass das Orchester zuerst beginnt. Dabei hält sich Beethoven zwar an den formalen Sonatensatz mit allen seinen Regeln – doch beim Hören nimmt man diese Regeln gar nicht mehr wahr, stattdessen hört man atemberaubt auf das, was Beethoven macht. Das lyrische zweite Thema, die verschiedenen kleinen Themen die auftauchen und verschwinden und zuletzt die Kadenz. Wobei: Beethoven hat zwei Kadenzen zum Werk geschrieben – der Pianist kann also wählen ob er eher die themenbezogenere wählt, die gegen Ende virtuos wird oder die zweite, die “Triolenkadenz”.Während im ersten Satz Orchester und Klavier miteinander spielen, so überlappen sich im zweiten Satz diese beiden Beteiligten kaum. Das unbarmherzige Unisono im Orchester stemmt sich gegen die Lyrizität des Solisten. Es ist ein Gegeneinander anstatt eines Dialogs, nur ganz am Ende der einzelnen Phrasen scheinen sich die Beiden kurz zu berühren. Die Radikalität dieses Satzes erschüttert, gleichzeitig aber gewinnen die lyrischeren Passagen des Klaviers mehr und mehr an Raum – “durch die Dunkelheit zum Licht” ist wohl das Motto dieses zweiten Satzes.Da ist das Rondo dann doch eine Erleichterung: Ein etwas zaghafter Anlauf im Klavier, dann aber jubiliert der Solist. Und das Orchester mit, die Schatten des zweiten Satzes sind vergessen und wenn der Solist dann die Kadenz – Improvisationen Beethovens, die er aufschrieb – spielt, scheint die Düsternis des zweiten Satzes endgültig verschwunden. Mit der Pretostretta klingt das Konzert dann aus.
Logo: Susanne Hayduk






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