LOUISE – Eine Oper wie ein raffiniertes französisches Parfüm
Am Samstag, 27. September 2008, 19.30 Uhr, findet im Theater Duisburg die große Premiere der Oper “Louise” von Gustave Charpentier in einer Inszenierung von Christof Loy und mit Jonathan Darlington als Dirigenten der Duisburger Philharmoniker statt.
In einer mehrteiligen Serie nähern wir uns dieser besonderen Oper. Zusätzlich werden wir mit Interviews und Fotos uns den Menschen nähern, die dieser besonderen Komposition Leben einhauchen. Alle unsere Beiträge zu “Louise” finden SieHIER .
Eine Oper wie ein raffiniertes französisches Parfüm
Jonathan Darlington kurz nach einer Probe im Interview mit Silke Vogten über „Louise“ von Gustave Charpentier

S. Vogten: Herr Darlington, Louise ist eine Oper, die Thomas Jongk – Dramaturg der aktuellen Inszenierung – als musikalisch über jeden Zweifel erhaben beschreibt, als eine Musik, die eher mit Debussys „Pelléas und Mélisande“ verwandt ist, als mit einer naturalistischen Oper wie „La Bohème“. Wo liegt für Sie persönlich der Reiz dieser Musik?
J. Darlington: Der Reiz liegt in der Orchestrierung. Charpentier hat viel von Massenet, Wagner und Berlioz, all diese Komponisten waren hochbegabt für Farben. Das ist für mich sehr wichtig. Diese ganze Struktur entsteht hier durch Farben; er konzentriert sich auf Farben. Die ganze Geschichte Anfang des 20. Jahrhunderts in Frankreich war geprägt durch Debussy, Ravel usw. Auch sie schufen Struktur durch Farbe – und Charpentier gehört zur dieser Art von Komponisten. Das ist hochinteressant.
S. Vogten: Ich durfte ja vorhin der Probe lauschen – die Klänge von Charpentier eröffnen weite Bereiche der Imagination. Inwieweit ist die Orchestrierung als originell zu bezeichnen, z.B. durch den Einsatz volkstümlicher Instrumente?
J. Darlington: Das eher nicht. Charpentier ist schon originell, aber in einem anderen Sinn, weniger in dieser Hinsicht. Er ist originell zum Beispiel durch den Einsatz von Triangel, Schlagzeug, Bläser und Harfe. Das schafft schon eine besondere Form von Imagination und Inspiration.
S. Vogten: Wo sehen sie die Schwierigkeiten, die Herausforderungen beim Dirigieren dieser Oper?
J. Darlington: Es ist sehr flexibel. Und das vom Anfang bis zum Schluss. Man singt, spricht, singt, spricht… – alles hängt davon ab, wie man ein Wort sagt. Man kann sagen „Je t’aime“ oder man kann sagen „Je t’aime…“ Es gibt viele verschiedene Arten. Das ganze Stück ist geprägt von großem Nuancereichtum. Das ist schon eine Herausforderung.
S. Vogten: Der Regisseur Christof Loy beschreibt die Oper als besetzungstechnisch extrem aufwendig. Wie sehen Sie das als Dirigent? Was zeichnet diese „Louise“ aus?
J. Darlington: Also – es ist wahnsinnig heftig. Zudem gibt es in dieser Inszenierung keine einzige Pause. Wir spielen zweieinhalbe Stunden durch. Das ist sehr anstrengend, kostet sehr viel Kraft. Und ist natürlich ein bisschen problematisch, denn man muss die ganze Spannung vom Anfang bis zum Schluss halten, man muss diese Flexibilität haben, alle Farben einbringen. Das ist schon sehr kompliziert, sehr anspruchsvoll.
S. Vogten: Wie würden Sie für das Publikum die Oper kurz und knapp beschreiben?
J. Darlington: Ich werde es versuchen (lacht). Ganz knapp?
S. Vogten: Ja.
J. Darlington: Kennen Sie das Parfum „Annick Goutal“?
S. Vogten: Nein, das gerade nicht…
J. Darlington: Aber Chanel?
S. Vogten: Das ja.
J. Darlington: Gut, ich würde es charakterisieren als sehr raffiniertes französisches Parfüm…
S. Vogten: Welche Oper haben Sie eigentlich zuletzt dirigiert?
J. Darlington: Zuletzt dirigierte ich Fidelio.
S. Vogten: Und Ihre Lieblingsoper?
J. Darlington: Hm… schwer…Alle von Mozart. Ach, es gibt so viele… Nein, ich weiß es wirklich nicht!
Herr Darlington, vielen Dank für das Gespräch
Das Video zum Interview:
Premiere: Samstag, 27. September 2008, 19.30 Uhr, im Theater Duisburg.






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