14. Dezember, 2008

KULTURAFFÄRE | Seasons of Love


Seasons of Love: Nach My Fair Lady kommt Camelot

Im Januar widmet sich die Kulturaffäre dem großen und unerschöpflichem Thema der Liebe: «Seasons of Love» wird das Motto im Hundertmeister sein. Am 02.01. steht die Abschlussklasse der Musical-Abteilung der Folkwang-Hochschule auf der Bühne. Wir stellen in loser Reihenfolge die Geschichten vor, die hinter einigen der Musicals stecken.


Die Geschichte des Musicals «Camelot» könnte man beinahe gar nicht erzählen: Denn dass das Musical ein Erfolg werden würde war alles andere als vorauszusehen. Alan Lerner und Moss Hart hatten sich entschieden das Buch von T. H. White «Der König auf Camelot» zu vertonen. Mit im Boot war erneut Frederick Loewe. Das Team stand unter einem enormen Erfolgsdruck: Denn «My Fair Lady» war am Broadway in riesiger Erfolg gewesen – wenn «Camelot» also ein Flop werden sollte wäre Loewe wohl so schnell kein neues Projekt angeboten worden.
Während Alan Lerner das Drehbuch verfasste, verließ ihn seine Frau. Der Autor musste deswegen das Projekt verschieben da seine Gesundheit danach nicht mehr die beste war. Als die Proben für «Camelot» begannen hatte man noch ein gewaltiges Stück Arbeit vor sich. Trotz der Tatsache, dass die Produzenten so namhafte Darsteller wie Julie Andrews, Richard Burton oder Roddy McDowall engagiert hatten war der Erfolg alles andere als sicher. Nach der ersten Previewvorstellung notierte Alan Lerner, dass «nur Tristan und Isolde ein größerer Ausdauertest an die Blase» sei. Es sah alles andere als gut aus und die Zeitungen deuteten dezent an, dass man das Stück wohl noch etwas überarbeiten müsste.

Ein Geschwür behinderte Alan Lerner dann, die Arbeiten an «Camelot» weiterzuführen. Sein Mitautor Moss Hart erlitt einen Herzinfarkt, so dass nach seiner Pause Alan Lerner als Regisseu für ihn einspringen musste. Nichtsdestotrotz: «Camelot» war selbst nach einer Kürzung um anderthalb Stunden für die Bühne viel zu lang. Das Problem: Lerner und Loewe waren sich bei der Frage, wie man das Stück denn besser präsentieren könne äußerst uneins. Anders gesagt: Es krachte permanent bei den Proben. Nach langem Hin und Her hob sich dann am 03.12. 1960 der Vorhang am Broadway. Die Kritiken: Durchwachsen.

Auftritt: Ed Sullivan. Für dessen Sendung «Toast of the Town» war eigentlich etwas aus «My Fair Lady» angedacht. Denn das Musical war schon seit fünf Jahren erfolgreich. Anstatt aber auf ein sicheres Pferd zu setzen schufen Hart und Lerner ein kleines Medley aus «Camelot». Was dann dazu führte dass die Ticketverkäufe in die Höhe schnellten. Dennoch war «Camelot» wegen all der Schwierigkeiten die letzte Zusammenarbeit zwischen Alan Lerner und Frederick Loewe. Man kann es irgendwie verstehen…


dacapo-Autor Christian Spließ ist Blogger und Podcaster der ersten Stunde. Momentan ist er im «Schulbuchfonds» der Stadt Duisburg beschäftigt. Wenn er nicht gerade bloggt oder podcastet, dann schreibt er Kolumnen fürs Corona-Magazin, guckt Folgen von Fernseh-Serien, die hier keiner kennt oder liest alles, was nicht bei Drei in den Regalen ist.

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Von Christoph Müller-Girod
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