Konzerte im Web: Sinnvoll oder Hypekultur?
Die Berliner Philharmoniker erregten mit ihrer Ankündigung, dass sie in Zukunft in einer extra für diesen Zweck eingerichteten Digital Concert Hall Konzert gegen Bezahlung Live im Internet ausstrahlen werden, weltweit grosses Aufsehen. Ob das dahinter stehende Businesskonzept, dass zunächst für 3 Jahre durch einen Sponsor mit einem Millionenbetrag finanziert wird, aufgeht, wird die Zeit zeigen. Spannend ist es allemal, dass Orchester den Weg klassischer Medien verlassen und sich eigene Distributions- und Vermarktungsmodelle mit den Möglichkeiten des Webs aufbauen. Die WAZ nahm dies zum Anlass einmal in Ruhrgebietsorchestern nachzufragen, wie sie zu dieser Entwicklung stehen. Weiter zum Artikel und zur Diskussion……
Sie stellten in ihrem Artikel Klassische Musik online die Frage “ob sie (die Orchester, Anm. WebTeam) ihre Konzerte – wie die Berliner Philharmoniker – künftig online anbieten” und erhielten recht unterschiedliche Antworten:„Wir haben am 11. Januar unser Familienkonzert live auf unseren Weblog übertragen”, sagt Sabine Smolnik, Sprecherin der Duisburger Philharmoniker, „das war unser erster Versuch.” Auf Dauer sollen auch die philharmonischen Konzerte online angeschaut und gehört werden können. „Wir arbeiten daran, aber wann es soweit ist, können wir nicht sagen.” Man wolle aber weiter üben und versuchen, die Qualität der Übertragung sicherstellen. Bis es soweit ist, können sich die Fans der Duisburger Philharmoniker auf www.dacapo-dp.de Fotos von aktuellen Proben und Auftritten, Blogeinträge, etwa von Generalmusikdirektor Jonathan Darlington, und kurze Probenvideos sowie Interviews ansehen und kommentieren. „Man muss die Leute da abholen, wo sie sind”, findet Christiane Peters, Sprecherin der Bochumer Symphoniker ( www.bochumer-symphoniker.de ). Und das sei heutzutage oft das Internet. Trotzdem gibt es bei den Bochumern vorerst keine Pläne, Konzerte ins Internet zu übertragen. „Dazu braucht man eine gute technische Ausstattung”, gibt Peters ebenfalls zu bedenken. Das Qualitätsniveau ist bei den Bochumern aber nur eins der Kriterien, diesen Schritt nicht zu gehen. „In unserem Fall ist eine weitere Hürde, dass wir noch kein eigenes Konzerthaus haben.” Sobald man dies habe und die technischen Möglichkeiten vorhanden seien, „sehe ich keinen Grund, nicht darüber nachzudenken”, so Peters.„Eine Katastrophe fürs Konzertwesen”, urteilt hingegen Jac van Steen, Generalmusikdirektor der Dortmunder Philharmoniker. Die Übertragung von Konzerten ins Internet sei „der Todesstich fürs Live-Erlebnis.” Solche Angebote seinen eine „Hypekultur des antisozialen Denkens”, so der Dirigent. Die Dortmunder nutzen das Internet allerdings, um mit einem Probenvideo einen Blick über die Schulter des Orchesters zu ermöglichen. „Wir laden auch immer wieder Abonnenten live zu Proben ein”, sagt Sprecherin Andrea Knefelkamp-West, „aber das sind eben nur wenige.” Über das Video ( www.theaterdo.de ) könne man allen Interessierten „einen Einblick in die Arbeitsweise von Herrn van Steen geben.”„Offen sind wir für alles”, sagt Reinhard Beuth, Sprecher der Essener Philharmoniker ( www.theater-essen.de ). Man habe den Gedanken, Konzerte auch im Internet anzubieten, aber vorerst verworfen. „Man muss davon ausgehen, dass die Internetleitungen im privaten Bereich keinen Konzertgenuss vermitteln können.” Zudem: „Die Leute, die zu uns kommen, haben ausdrücklich Lust auf ein Live-Erlebnis.” Das Konzert sei ein soziales Event, das verbindet. Das könne das Internet nicht vermitteln. „Für uns ist es da interessanter, dem Beispiel des Gürzenich-Orchesters in Köln zu folgen”, sagt Beuth. Dort können die Besucher kurz nach dem Auftritt eine Originalaufnahme des besuchten Konzerts kaufen.„Die Idee, Konzerte ins Internet zu übertragen, ist schön”, sagt Mark Mefsut, Sprecher der Neuen Philharmonie Westfalen ( www.neue-philharmonie-westfalen.de ). Neben den technisch-qualitativen Herausforderungen sieht Mefsut aber auch rechtliche Fragen, die vor einer solchen Übertragung geklärt werden müssten. „Bei uns ist es zudem als vom Land getragenes Orchester besonders eine Frage des fehlenden Budgets.” Noch sei dies also, auch wenn man Innovation immer begrüße, „ein paar Schritte zu weit gedacht.”(aus
Musik u. Konzerte, 15.01.2009, von Katja Darms)Uns würde nun eure/Ihre Meinung dazu interessieren:Sind Klassik-Konzerte im Web ein sinnvoller Weg und wenn ja, wie sollte er gegangen werden?Wie würdet ihr/würden Sie die optimale Berichterstattung über klassische Musik beschreiben?Bitte die Antworten als Kommentar zu diesem Beitragduisburger philharmoniker, philharmonie20







21:21 Uhr
Die Berliner Philharmoniker gehen meines Erachtens in die richtige Richtung. Denn nicht jeder kann immer mal wieder nach Berlin fahren, um das Orchester live zu erleben. So gesehen kann das Internet eine gute Ergänzung zur “Kundenbindung” sein – und eine zusätzliche Umsatzquelle.
Es bleibt aber abzuwarten, wie sich die Resonanz auf dieses Angebot entwickeln wird. Ältere Menschen hören vielleicht gerne klassische Musik, ihnen mag aber das Medium Internet fremd und unpassend erscheinen. Bei jungen Leuten könnte es genau umgekehrt sein!
16:13 Uhr
Ob klassische Konzerte im Web der richtige Weg sind, hängt davon ab, welche Ziele ich damit verfolge. Als Substitut für einen Konzertbesuch taugen sie, denke ich, nicht. Dazu ist unter anderem die Qualität einfach nicht gut genug. Wer setzt sich denn vor den PC-Bildschirm und hört die Musik aus in der Regel mittelmäßigen Lautsprechern, um ein Konzerterlebnis zu genießen? Und dann noch dafür zahlen?
Was aber ist, wenn ich das Angebot um die Komponente “2.0″ ergänze? Was ist, wenn die Leute aus einem ganz anderen Grund daran teilnehmen? Wenn es ihnen darum geht, an einem “Event” gleichgesinnte Menschen zu treffen? Das Konzert als Social-Networking-Event, bei dem die Musik als Schmiermittel dafür dient, dass die Leute zueinander finden. Wenn das der Ansatz ist, dann gebe ich dem Projekt gute Chancen. Sonst fürchte ich, wird das nichts.