11. März, 2009

KAMMERKONZERT | Die schöne Müllerin

Normaleweise ist er der Star, derjenige, auf den im Konzert die meiste Aufmerksamkeit gerichtet ist: Unser Dirigent Jonathan Darlington. Am Sonntag war er natürlich auch ein Star, aber eben nur einer. Denn bei Schuberts Liederzyklus um “Die Schöne Müllerin” war Jonathan Darlington in die Rolle des Pianisten geschlüpft um Dietrich Henschel den Vortritt zu lassen.

Und ewig rauscht der BachWilhelm Müller ist der Nachwelt – leider – nur durch die Textvorlagen für Schuberts Liederzyklen bekannt. Während die “schauerlichen Lieder”, so soll Schubert selbst sie bezeichnet haben, der Winterreise eher eine assoziative Geschichte erzählen ist die Handlung bei der “Schönen Müllerin” recht gut nachzuvollziehen. Ein Müllerbursche auf der Wanderschaft verliebt sich in eine Müllerin, die aber verliert ihr Herz an einen Jäger woraufhin der Müllerbursche sich ertränkt.Schon bei Wilhelm Müllers Texten spielt der Bach als Freund und Gesprächspartner des Müllers eine entscheidende Rolle. Er ist ein Spiegelbild des Unbewußten, der Sehnsüchte und Hoffnungen des Müllers. Schon von dem ersten Gedicht an – “vom Wasser haben wirs gelernt, das Wandern” – bis zum Epilog des Baches wird das deutlich. Schuberts Gabe besteht nun darin, dieses “Wasser” in der Klavierbegleitung zum Leben zu erwecken.Fotos: Christoph Müller-GirodJonathan Darlington gelang beim Konzert die Balance zwischen Drama und Realismus. Es war kein verzuckerter, verklärter Schubert, der dort zu hören war. Wenngleich natürlich unser Generalmusikdirektor es gekonnt verstand die Begleitung auszumalen – da rumpelten im Bass schon mal schwer die Steine, da wurde die Eifersucht des Müllers deutlich und beim “Tränenregen” arbeitete Darlington die im Text angelegte feine Ironie heraus.Dietrich Henschel begann den Abend etwas verhalten, doch dies hatte einen Grund: So konnte er eindrucksvoll in der zweiten Hälfte des Liederzyklusses die Zerrissenheit des Müllers darstellen, die Eifersucht gebenüber dem Jäger und schließlich – ganz zum Schluss – ganz zart und ruhig das Wiegenlied des Baches darbieten. Doch schon vorher gelang ihm bei der Stelle “die geliebte Müllerin ist mein, ist mein” ein freudiger Jubel, der die Herzen im Publikum berührte. Dieses wollte den Künstler am Ende des Konzertes auch gar nicht gehen lassen.

Von Christoph Müller-Girod

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