14. Oktober, 2008

Honduras – 5.Teil

Drei Musiker der Duisburger Philharmoniker, die Oboisten Dalia el Guindi und Martin Schie sowie der Fagottist Jens-Hinrich Thomsen fuhren vom 20.-26. Juni 2008 im Rahmen der Städtepartnerschaft Duisburg/San Pedro Sula, nach Honduras. Was sie erlebten schildern sie hier in einem mehrteiligem Reisebericht. Dieses mal geht es um die Lösung nicht alltäglicher Musiker-Probleme und Hilfe zur Selbsthilfe.
Sie haben die anderen Teile noch nicht gelesen? Kein Problem: 1. Teil 2. Teil 3. Teil 4. Teil

5. Teil: Selbsthilfe

Im 2. Teil unserer Reisechronik haben wir berichtet, dass wir Material zum Herstellen von Mundstücken gesammelt und nach Honduras mitgenommen zu haben. Was hat es damit auf sich?

Selbst Klassik-“Insider“ sind immer wieder überrascht, wenn sie erfahren, Oboisten und Fagottisten spielen auf selbstgebauten Mundstücken. Mehr noch: Kauft man für viel Geld ein Instrument, kann man keinen einzigen Ton darauf spielen, wenn man nicht ein Mundstück (Rohr) besitzt. Zeitgemäss ist das nicht, wo es doch sonst nahezu alles zu kaufen gibt. Die meistgestellten Fragen sind:

1. Kann man denn Rohre nicht kaufen?
2. Woraus werden sie hergestellt?
3. Wie lange kann man auf einem Rohr spielen?
4. Was passiert, wenn ein Rohr im Konzert kaputtgeht?

Man kann sie kaufen, es gibt Fachgeschäfte und professionelle Hersteller. Für Oboen kosten sie zwischen 10 und 18 Euro, sind aus einem feinen Bambusholz gebaut und wenn man Glück hat, kann man vier bis sechs Wochen darauf spielen. Geht eins kaputt, dann nimmt man das nächste.

Wenn das nur so einfach wäre! Weiterlesen…


Die Wahrheit sieht anders aus: gekaufte Munstücke passen sehr selten ideal zum Instrument, noch viel seltener zum Spieler. Und als Kontakt zwischen den beiden müssen sie eine Vielzahl von Funktionen erfüllen: sie müssen in der Tonhöhe stimmen, die Klangvorstellung des Bläsers erfüllen, zu den anderen Instrumenten im Orchester passen und vor allem dem Spieler ein Höchstmass an Sicherheitsgefühl geben, die nächste „Stelle“ auch noch gut spielen zu können.

Und so ist es nicht erstaunlich, dass lediglich ein bis zwei von zehn gekauften Rohren optimal funktionieren. Ein krasses Preis-/Leistungsmißverhältnis!

Auf Honduras bezogen wird alles noch dramatischer! Rein logistisch ist es dort gar nicht möglich, Rohre oder deren Bestandteile zu kaufen, es gibt kein einziges Geschäft. Bestellungen mit einem Versandservice kommen nicht zuverlässig an, einmal ganz abgesehen davon, dass die anfallenden Preise nicht im entferntesten gezahlt werden können.

Und jetzt kann man sich vorstellen, wie wir in der Musikschule von den Studenten empfangen wurden, als sie sahen, welche Schätze wir für sie mitgebracht hatten! Zwei Tage hatten wir Zeit, ihnen das know-how des Rohrbaus in Grundzügen zu vermitteln. Jeden Schritt konnten sie in der Praxis nachvollziehen und als wir am Dienstag mittag das Unterrichten beenden mussten, hatte jeder von ihnen seine ersten eigenen Rohre gebaut!

Fortsetzung folgt!

Größere Kartenansicht mit Reisedetails

Wir haben zu diesem Reisebericht ein Fotoalbum zusammengestellt. Hier die Diashow dazu:

Von Christoph Müller-Girod
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