25. März, 2010

Haydns “Die Schöpfung” | Klangfarbengemälde


Foto: Christoph Müller-Girod

Foto: Christoph Müller-Girod

Kann ein Orchester leuchten, strahlen, brausen, donnern, blitzen, zwitschern und wehen? Heute Abend hat unser Orchester nicht nur geleuchtet – es hat gestrahlt und gefunkelt in Haydns “Schöpfung”. Natürlich an der Stelle an dem Gott das Licht erschafft und es strahlte eneut als die Sonne zum ersten Mal aufgeht. Haydns Oratorium ist ohne Zweifel ein grandioser Anbetungsgesang an Gott, aber es ist auch ein Klanggemälde – mit Haydemschen Humor.


Humor? Bei einem Werk dass sich an dem ersten Schöpfungsbericht der Bibel orientiert, noch vor der bekannten Geschichte von Adam und Eva und dem Apfel? Religion und Humor – das passt doch nicht zusammen. Und der Text des Oratoriums bietet dazu auch eigentlich keinen Anlaß. Dieser orientiert sich – natürlich mit einigen Freiheiten – eng an der Genesis. So schwebt zu Beginn der Geist Gottes über den Wassern, ein Anfang der atemberaubend ist. Noch bevor der Text einsetzt faßt Haydn das Geschehen hier zusammen: Per Aspera Ad Astra – durch die Dunkelheit ins Licht führt die Musik bis die Sänger einsetzen.

Doch zurück zum Humor: Man kann sich vorstellen wie Haydn gelächelt haben muss als er Stellen wie das Trennen der Wasser oberhalb und unterhalb der Feste vertonte – hier fließt das Wasser durch die Streicher, Wellen und Strömungen. Donner und Blitz – natürlich lässt sich so etwas kein Komponist entgehen ohne dramatische Akzente zu setzen. Das Lächeln Haydns ist auch später noch zu hören – da springt der Hirsch zu Hörnerklängen, surrende Insekten fliegen durch die Luft. Haydn komponiert hier nicht – er malt mit den Klangfarben des Orchesters. Plastisch und greifbar.

Das Bemerkenswerte an diesem Oratorium ist aber, dass es nicht wie der erste Schöpfungsbericht in der Bibel mit den Worten: “Und siehe, es war alles sehr gut” schließt, das Libretto fügt nach dem Preis der Engel über das gelungene Werk einen dritten Teil an. Man bemerkt es vielleicht nicht, aber es ist in der Bibel zumindest bis hierhin keine Rede davon, dass der Mann vor der Frau erschaffen wurde. Mann und Weib und Weib und Mann reichen hier nicht nur, wie Emanuel Schikaneder es in der “Zauberflöte” formulierte, an die Gottheit an – beide stehen als Partner in Harmonie als Krone der Schöpfung an diesem siebtem Tag im Paradies. Wobei Haydn natürlich dann doch nicht so ganz aus den Konventionen seine Zeit heraus kann: Es ist dann doch Adam, der zuerst das Wort ergreift bevor das Duett zwischen ihm und Eva den siebten Tag beschließt. Von der Dunkelheit des Anfangs ist hier nichts mehr zu sehen oder zu spüren, himmlische Harmonie hat sich eingestellt. Das jubelnde Orchester ist in seinem Optimismus fast nicht zu bremsen – zumindest diesen Optimismus können wir, die es besser wissen, aus diesem Konzert mit nach Hause nehmen.

 

Von Christian Spließ

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