After The Trip- No Limits!
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Kleine rote Punkte tauchen auf einer schwarzen Leinwand auf. Windgeräusche dringen aus den Lautsprechern. Die Punkte huschen hin und her, verdichten sich dann – Silhouetten von Personen mit grellorangenen Westen tauchen auf, verschwinden wieder, überlagern sich. Ebenso wie die Musik, die jetzt aus dem elektronischem Rauschen auftaucht, sich verdichtet, Ebenen bildet. Schon ist man mittendrin in einem Trip, der einen bis an die Grenzen der eigenen Wahrnehmung führen kann….
Unter dem Motto «The Trip – Where is your limit» luden die Kulturaffäre und die Duisburger Philharmoniker zu einem Event der besonderen Art ein. Das eigentliche Konzert begann zwar erst um 20:30 Uhr, aber unser Team war schon seit Mittag damit beschäftigt die Lichtinstallation zu testen und einige technische Probleme zu meistern. Außerdem: Welche Musik legen wir unter das Video, das den ruhigen Mittelpunkt des Konzerts einleitet? Und wie heißt denn jetzt das Stück von Tommy Finke was schlussendlich das Video untermalen sollte? Schlussendlich: Klappt das eigentlich alles so wie wir uns das gedacht haben? Die Spannung war also auf den Seiten der Zuschauer und auf den Seiten des Teams wohl genau so groß.
Frederic Rzweskis «Winsborocotton mill blues» war das Eröffnungsstück des musikalischen Trips, durch den die Zuhörer Kai Schumacher dann bis zum Ende führte. Mal souverän, ausdrucksstark und dann auch wieder sanft und nachdenklich wie bei den «Gnossiennes» von Satie. Der Keyboarder der Band «Trustgame» ist nicht nur ein ausgezeichneter Solo-Pianist, der seinen Schwerpunkt auf die Werke von zeitgenössischen amerikanischen Komponisten legt. Zusammen mit Anna Reitmeier (Cello) undYana Dukanova (Violine) hat er das Trio «Kayana» gegründet – und das war am Schluss mit dem «Piano Trio» von Jean Albert zu hören. Mittelpunkt des Konzerts bildeten die «Gnossiennes» Nummer 1 und 3 von Erik Satie, eine Art Ruheinsel in einem bis dato recht wilden und musikalisch sehr abwechslungsreichem Trip. Der natürlich – wie das so Trips an sich haben – zwischendurch (fast) ohne Pausen auskam. Musik und Videoanimationen verbanden sich zu einer Reise, die bis an den Limit der Klangfarben führte: Cluster zu Beginn beim «Winsborocotton mill blues» – der nur ab und an sich aus dem Klangfundus des Jazz bediente. «Inconspicious Impulse» von Christopher Biggs vermischte elektronisch erzeugte Klänge mit einem sehr aufwühlendem Klavierpart. «Drive» mit seinem monotonen elektrischem Klangbild und den Zeitlupenbildern von Jugendlichen beim Autoscooter ließ den Zuhörern und auch Zuschauern noch etwas Ruhe. Während dort Tommy Finke eher minimalistisch zu Werk ging entpuppte sich die Uraufführung als Vorausgriff auf den Mittelpunkt des Abends. Motive von Satie wurden gedehnt, übereinandergeschichtet, eine Männerstimme raunte im Hintergrund – ist das Latein? Ist das überhaupt eine Sprache? Dazu Bilder aus dem Landschaftspark Duisburg. Unheimlich. Bedrohlich. Doch dann die Satie und seine «Gnossiennes», die Ruhepause nach dem Schrecken. In Jean Alberts «Piano Trio», dass das Trio Kayana an diesem Abend zum zweiten Mal überhaupt im Programm hatte, wurde das Klavier dann zeitweise zu einem Zupfinstrument. Schließlich kann man die Klangseiten bei einem offenen Flügel ja auch zum Klingen bringen ohne die Tasten zu gebrauchen – ein Plektron oder ein Finger reichen schon. Rhythmisch äußerst präzise Klänge und wilde Klangpassagen wurden aber gegen Ende des Trios von einer eher weichen, sanften Melodie abgelöst. Als würde einen die Mutter nach einem schlimmen Albtraum trösten wollen – auch ein Trip kann schließlich die wahre Horrorshow sein. Kein Wunder also dass nicht nur wir am Ende begeistert waren – wobei: Wir waren das nicht nur zum Ende hin sondern auch schon vorher und mittendrin. Schließlich haben wir getwittert und einige kurze Videos live online gestellt. Wer unsere Reaktionen nachlesen möchte – voila…
Nach dem Konzert dann ging es – nachdem es einige kleinere Unstimmigkeiten gab, wo es denn jetzt wirklich stattfand – mit «Meet the Artist» weiter. Und das ist eigentlich auch etwas, was wir besonders toll finden: Wir drücken euch einen unsichtbaren Backstage-Pass in die Hand und ihr könnt endlich alles erfahren was ihr als Zuhörer immer schon mal wissen wolltet oder einfach mal sagen, dass das Konzert wirklich klasse war oder dass man bei den nächsten Terminen mit Kai unbedingt dabeisein möchte. Denn wer jetzt das Konzert verpasst haben sollte, der hat nochmal die Gelegenheit am 10.12. Kai Schumacher als Keyboarder der Band «Trustgame» im Steinbruch in Duisburg zu genießen. Da das Konzert teilweise unplugged daherkommt könnte das auch schon klassisches Feeling haben. Am 01. Mai dann ist Kai nochmal zu Gast in unserer Playlist-Reihe – «Lieder mit ohne Worte» stehen dann auf dem Programm, das einerseits Kai als Solopianisten präsentiert. Auf dem Programm stehen Klaviertranskriptionen von Radiohead-Songs im ersten Teil und im zweiten Teil gibt’s dann – nach dem sie das im Dezember schon mal ausprobiert haben – «Trustgame» unplugged. Also: Schon mal vormerken! Wir wollen doch nicht, dass ihr so wie heute einen wunderbaren, aufregenden und spannenden Konzertabend verpasst…
Christian Spließ ist Blogger und Podcaster der ersten Stunde. Momentan ist er im «Schulbuchfonds» der Stadt Duisburg beschäftigt. Wenn er nicht gerade bloggt oder podcastet, dann schreibt er Kolumnen fürs Corona-Magazin, guckt Folgen von Fernseh-Serien, die hier keiner kennt oder liest alles, was nicht bei Drei in den Regalen ist.
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