03. April, 2009

9. PHILHARMONISCHES KONZERT | Elias

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Welcher Kirchenchorsänger hätte in seiner Laufbahn nicht schon mal “Denn er hat seinen Engeln befohlen” oder “Wirf dein Anliegen auf den Herrn” geübt? Natürlich langsam und getragen, ganz wie es der Text und die Musik vorzugeben scheint. Wer allerdings Jonathan Darlingtons Interpretaton beim 9. Philharmonischen Konzert gehört hat, wird bei einigen Stellen verwundert aufgehorcht haben.Weiter lesen
Denn sicherlich gibt es auch getragene und langsame Stellen in Felix Mendelssohn Bartholdys “Elias” – aber an anderen Stellen. Überhaupt: Überwiegt in diesem Oratorium nicht die Spannung, die sich aus dem Text selbst ergibt? Denn die Geschichte des Propheten Elias, erzählt in 1. Könige 17 – 19, ist eine, die das Vorurteil die Bibel sei langweilig widerlegt.Eine so dankbare Vorlage lässt natürlich kein Komponist aus – so brausen die Wasser, erzittern die Berge und säuselt der Wind wenn Gott sich Elias am Berg Horeb zeigt. Unser Orchester hatte die Aufgabe diese romantischen Tonmalereien so darzustellen, dass aus den brausenden Wassern kein leicht plätschernder Strom wird. Und das ist Jonathan Darlington gelungen: Die Tempi saßen perfekt, das Orchester war in Hochform.Wenn im Englischen jemand als wahres Biest bezeichnet wird, dann ist die Dame “a true Jezebel” – eine wahre Jezebel. Ingeborg Danz hatte sichtlich Freude einmal in die Rolle dieser bösen Königin zu schlüpfen, zeigte aber andererseits auch bei der Arie “Sei stille dem Herrn” auch Sanftheit und Würde. Mit eine der schönsten Arien aus diesem Werk. Konrad Jarnot als Titelfigur war ein Erlebnis: Selten konnte man eine feurigeren, zürnenderen aber auch verzweifelten Elias erleben. Und auch einen, der spöttischer nicht sein konnte wenn am Berg Karmel die Götter auf die Probe gestellt werden.“Baal erhöre uns” – der philharmonische chor duisburg kostete nicht nur diese Stelle genußvoll aus. Die Einsätze bei den fugierten Stellen, das Zusammenspiel zwischen Frauen- und Männerstimmen und die präzisen Absprachen rechtfertigten den Sonderapplaus mit dem das Publikum an Ende die Sänger belohnte.Simona Saturnova – keine andere hätte den Beginn des zweiten Teil des “Elias” so formvollendet und hingebungsvoll gestalten können. Ein Höhepunkt war zweifellos das Terzett “Hebe dein Augen auf”, bei dem die drei Frauenstimmen – im zweiten Teil traten noch Tina Scherer und Carola Günther hinzu – im wahrsten Sinne des Wortes Engelsstimmen verkörperten.Christoph Prègardien hatte nicht unbedingt vom Notentext her eine gewichtige Rolle – ihm gehörte die kürzeste Arie des Werkes – aber als Ahab und als Obdaja sowie im Doppelquartett “Denn er hat seinen Engeln befohlen” konnte er glänzen. Ein wahrlich glänzender Einfall übrigens war die Idee, den Knabensopranisten Nils Ewen von der Empore der Mercatorhalle singen zu lassen. Kein Effekt um des Effekt willens, da der Knabe aufs Meer hinausschauen muss um anzukündigen ob endlich der Regen über Israel kommen wird. Die klare, helle Stimme Ewens verlieh dieser Stelle einen Gänsehautmoment.Standing Ovations, begeistert Applaus und dutzende von “Bravo”-Rufen bewiesen, dass diese Interpretation des Elias beim Publikum ankam. Vielleicht wird sich nun der ein oder andere Kantor beim Einstudieren der Werke für den Kirchenchor mal etwas genauer die Partitur Mendelssohns anschauen: Wegen der Tempi, natürlich. Fotos: Christoph Müller-Girod

Von Christoph Müller-Girod

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9. Philharmonisches Konzert

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