11. März, 2009

8. PHIL. KONZERT | Diashow

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Es ist oft eine diffizile Frage wann im Konzert geklatscht werden darf und wann nicht. Normalerweise herrscht die Regel vor: Nicht zwischen den einzelnen Sätzen eines Werkes. Normalerweise

“Schönen guten Abend. Das Stück hat drei Sätze. Das eben war der Vormittag, es folgen Nachmittag und Abend.” Jonathan Darlington bringt halt nichts so schnell aus der Fassung. Auch nicht die Tatsache, dass nach dem ersten Satz von d’Indys Orchesterwerk „Jour d’été à la montagne“ ein kleiner Beifallssturm einzusetzen begann. Zudem hatte unser Generalmusikdirektor damit auch schon das Programm umrissen, dass d’Indy in seinem Orchesterwerk anlegte.Fotos: Christoph Müller-GirodDer Tag in den Bergen beginnt mit poco a poco anschwellenden Streichern – der Morgennebel lichtet sich ein wenig, nur ein Schäfer scheint an diesem Morgen unterwegs zu sein. Im Lauf des Nachmittags verdichtet sich der Himmel, Wolken deuten Regen und Sturm an – doch am Abend hat sich das alles wieder zerschlagen. So wie der Morgen begonnen hat, so verklingt der “Frühlingstag in den Bergen”. Man merkt die Nähe zu Wagner, mehr noch die Nähe zu Debussy bei diesem Orchesterwerk. Vor allem wird klar, warum d’Indy als Meister der Orchestrierung gelobt wurde. Von den Streicherflächen über die Einsätze der Holzbläser bis zu den obligatorischen Hörnern stimmte hier einfach alles.Es sei, so sagte Jonathan Darlington dann, ein Werk, dass selbst für die Virtuosen der Duisburger Philharmoniker schwierig zu meistern sei: Die Sinfonie Nr. 5 op. 70 von Ahmed Adnan Saygun. Ein Werk, dass man die nächsten 20 Minuten genießen solle, es sei aber anders als alles was man bisher gehört habe. Nach dieser Ankündigung war man doppelt gespannt auf die Klänge des Ochesters. Ein hochkomplexes Werk entfaltete sich vor den Ohren des Publikums – besonders das Schlagwerk hatte viel zu tun in dieser Sinfonie, bei der die Streicher fast an ihre Grenzen getrieben wurden. Dabei ist die Musik alles andere als disharmonisch – sie streift an keiner Stelle die Atonalität, verliert sich nicht im reinen Klangwirrwarr. Sie erfordert allerdings einiges an Aufmerksamkeit, intensives Zuhören.Kolja Blacher bot nach der Pause dann einen Bartok, der es in sich hatte. Das Konzert für Violine und Orchester Nr. 2 bietet leise, nachdenkliche Stellen – in denen die Harfe die Violine begleitet – dann wieder bricht es aus dem Solisten und dem Orchester heraus. Zwischen Melancholie und Cholerik bewegt sich Blacher und bot einen spannenden und hörenswerten Bartok. Vor allem die Kadenz im ersten Satz ist  herauszuheben, diese atemberaubende Leichtigkeit mit der Blacher hier den Bogen über den Saiten tanzen ließ war ein Erlebnis.Sicherlich bot das achte Philharmonische Konzert extravagante und ungewöhnliche Werke, doch das Publikum honorierte sowohl den illustrativ-impressionistischen d’Indy als auch den etwas komplexeren Saygun und spendete Kolja Blacher freundlichen und langanhaltenden Applaus.

Von Christoph Müller-Girod

Kommentare

  1. Günter Landsberger 12. März 2009
    10:53 Uhr

    Eine Binsenweisheit vorweg: Alle drei Werke des gestrigen Konzertabends wurden so mustergültig aufgeführt, dass man sich durchweg höchst zuverlässig in diese drei Musiken mit biographisch interessant vernetztem Hintergrund hineinversetzt fand.
    Ein bisschen auf d’Indy wollte ich mich schon im Voraus einstimmen und so hörte ich mir daheim auf einer CD das 1. und das 2. Streichquartett d’Indys in der Wiedergabe des Budapester (!) Kodály Quartetts an. Als ich nun aber im Konzert selber den Beginn der d’Indyschen Sommertagsmusik hörte, fühlte ich mich sofort an die grandiose „Steppenskizze aus Mittelasien“ (1880) erinnert und empfand mich sogleich in einer ganz anderen Welt als in der der beiden Streichquartette. Weil ich einmal irgendwo gelesen habe, dass in der „Steppenskizze“ Alexander Borodins (1833 – 1887) gleich zu Beginn das Flirren der Sonnenhitze überzeugend eingefangen worden sei, hörte ich das – durch meine Voreinstellung – bei d’Indy gleichsam zwangsläufig mit, war aber zugleich darauf gespannt, welchen Verlauf die Musik (abgesehen von der spürbar längeren Zeitdauer dieses Anfangs bei d’Indy) nun abweichend von Borodin wohl nehmen würde. Der an Naturstimmen erinnernde, zunächst vereinzelt durchbrechende Einsatz von Bläserstimmen gab mir dann die Antwort. Wagner- und Debussy- An- und Vorklänge glaubte ich im weiteren Verlauf der Musik dann auch zu hören. Streckenweise schien mir die Komposition unnötig gedehnt. Im Mittelteil war ich zudem mit der das Triviale streifenden Melodik und der mangelnden Inspririertheit eines bestimmten länger durchgehaltenen Motivs nicht ganz zufrieden; hier war spürbar, dass es zu den wahrhaft großen Komponisten bei d’Indy wohl doch einen Unterschied gibt. (Es sei denn, dass Triviale würde parodistisch behandelt, wie z. B. in Bartóks „Konzert für Orchester“, oder gezielt versprengt eingesetzt, wie in Mahlers Symphonien.) Fazit: Es war gut, dieses Stück mal kennengelernt zu haben; die Klangmischungen waren interessant; aber mein Verlangen, es mir noch einmal anzuhören, ist begrenzt. Ganz im Unterschied zur 5. Symphonie von Saygun. Dichte, Komplexität, Differenziertheit und klanglicher Einfallsreichtum (ohne Gesuchtheit!) haben mich da künstlerisch voll überzeugt. Und so ist mein Interesse für diesen Komponisten weiterwirkend geweckt worden. Als nächstes interessieren mich jetzt seine Klavierkonzerte.
    Das Bartóksche 2. Violinkonzert lag und liegt mir in zwei exzellenten CD-Aufnahmen vor: In der 10 Jahre alten Aufnahme mit Gil Shaham und dem Chicago Symphony Orchestra unter Pierre Boulez und in der keineswegs schlechteren, 42 Jahre älteren Aufnahme mit dem heute vor 10 Jahren verstorbenen Geiger Yehudi Menuhin und dem Minneapolis Symphony Orchestra unter Antal Dorati. Die Darbietung in Duisburg nun mit Kolja Blacher brauchte sich hinter diesen beiden Referenzaufnahmen ganz und gar nicht zu verstecken. Ihre direkte, packende Präsenz tat das Ihre.

  2. Hallo Herr Landsberger,

    vielen Dank für Ihr Fazit!

    Für diese sehr ungewöhnliche bis teilweise unbekannte Zusammenstellung war das ein aussergewöhnlicher Abend. Bevor ich die 1. Probe hörte, stand ich recht unbedarft vor diesen Werken. Jetzt aber hoffe ich, dass ich gleiches bis ähnliches noch einmal zu hören bekomme. Gerade Saygun hat mich sehr beeindruckt.

    Hoffentlich treffen wir uns bald einmal wieder in der Philharmonie.

    Viele Grüsse,
    Frank Tentler

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