17. Mai, 2009

6. PROFILE-KONZERT | Diashow

“Flammende Rose, Zierde der Erde”

Später einmal sollte Beethoven “Die Ehre Gottes in der Natur” besingen. Strenggenommen sind ja auch die Psalmen der Bibel schon Lieder, die teilweise anhand von der Natur Gott preisen. Georg Friedrich Händel nun hat in den “Neun Deutschen Arien”, HWV 202-210, einen etwas innigeren Ton angeschlagen um Gott in und mit der Natur zu preisen Diashow

Den Text der “Neun deutschen Arien” entnahm Händel dabei einem Werk des Hamburger Dichters Bartholt Heinrich Brockes. “Irdisches Vergnügen in Gott” heißt es, erschien in neun Bänden von 1721-1748 und es enthält nicht nur Verse von Brockes selbst sondern auch Übersetzungen. Brockes Verse sind natürlich darauf ausgelegt den Gläubigen auf die Schönheit Gottes in der Natur oder diese Schönheit als Beweis für Gott selbst zu verdeutlichen. Dennoch: Desöfteren sind die recht kurzen Gedichte, die Händel für seine Arien auswählte, eher Meditiationen als moralische Traktate. Im Werk Händels haben sie eine Sonderstellung – einmal weil die Arien trotz der im Barock beliebten Da-Capo-Form, bei der der erste Teil wiederholt wird, innig und schon beinahe intim komponiert sind. Zum Zweiten hat Händel hier Texte aus seiner Muttersprache vertont – was schon eine ziemliche Seltenheit ist.Foto: Christoph Müller-GirodNatürlich kam im 6. Profile-Konzert auch wieder das Instrument zum Tragen, was es eigentlich so gar nicht gibt: Der Basso Continuo, der im Barock das Fundament bildet, besteht in der Regel aus einem “Clavier” – wobei das Wort im Barock für jedes Tasteninstrument stehen konnte, ein Blick in die Clavierübungen von Johann Sebastian Bach beweist das, denn dort finden sich Werke für Orgel genauso wie Werke fürs Cembalo mit zwei Manualen – und aus einem Streichinstrument, der den Bass nochmal verstärkt. Heutzutage findet sich ab und an noch die Gambe als “Bass-Verstärker” im Konzert, heutzutage aber gehört eher der Kontrabass an die Saiten des Cembalos. Wobei: Der “Clavier”-Spieler hatte es damals alles andere als bequem, denn es gab eigentlich nur eine einzige Stimme für beide Instrumente: Das, was man im Baßschlüssel notiert hatte. Der Rest der Begleitung – die Akkorde – ergaben sich durch eine sehr spezielle “Geheimschrift”, die mit Ziffern genau angab welcher Akkord wann genau zu spielen war. Die Generalbaß-Notation ist übrigens noch von Mozart verwendet worden. Wobei: Der Cembalist hatte dann durchaus auch die Gelegenheit, die ab und an dürren Akkorde mit Verzierungen auszugestalten. Genau deswegen sind Konzerte ja gerade so spannend – denn kein Werk klingt genau wie das andere…

Von Christoph Müller-Girod

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