Koroliov und die Duisburger Philharmoniker begeistern Musikfreunde
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Ein brillianter “Artist in Residence” ließ beim 6. Philharmonischen Konzert Beethoven förmlich erstrahlen. Glorreiche und königliche Musik gab zuvor unser Orchester zu Gehör. Lang anhaltender Applaus und Standing Ovations sowie ein ausverkaufter Saal belohnten Maestro Koroliov und die Duisburger Philharmoniker.
Viel Blech fuhr Benjamin Brittens Suite aus seiner Oper “Gloriana” auf – kein Wunder, behandelt das Werk doch das Leben von Elisabeth I. Da darf die Orchestersuite, die Britten aus dem Material seiner Oper zusammenstellte durchaus eine pompöse Klangfülle herbeizaubern. Einzig allein der zweite Satz – “The Lute Song” – kontrastierte mit seinen zarten Harfenklängen die prachtvolle Klangfülle. Britten schöpfte bei der Komposition seiner Oper aus der britischen Musik der damaligen Zeit und er lässt im dritten Satz den königlichen Hof tanzen – wobei er hier gekonnt alte Melodien mit neuer Harmonik oder ungewöhnlicher Instrumentation verbindet.
Joseph Haydns Sinfonie Nr. 85 heißt “La Reine”. Von ihr heißt es, dass Marie-Antoinette den zweiten Satz auf dem Klavier gespielt haben soll, während sie auf ihre Hinrichtung wartete. Sicherlich – der Begriff königlich passt auf Haydns heitere Musik nicht unbedingt. Es ist ein Werk, dass man als mustergültig für die Wiener Klassik anführen kann und selbst den dritten Satz, das Menuett – ein Ort, an dem Haydn bisweilen sich ein Augenzwinkern erlaubt – könnte man ohne weiteres Kompositionsschülern auf den Schreibtisch als Vorlage für eigene Arbeiten legen. Ein schönes, frisches Tempo und Akzente an einigen Stellen sorgten aber dann doch ab und an für Überraschungen.
Der zweite Teil des Konzerts war allein Beethoven vorbehalten, dessen “4. Klavierkonzert in G-Dur” so ziemlich alles das nicht macht, was Kompositionsschüler beigebracht bekommen. Denn Beethoven sprengt hier die Grenzen, die dieser Gattung bis dahin gesetzt sind. So lässt er das Hauptthema des ersten Satzes in den ersten Takten durch das Klavier solo vorspielen – und dann hat das Orchester scheinbar alle Zeit der Welt aus diesem Thema und dem Nebenthema etwas zu entwickeln, was beim Hören gar nicht so klingt wie der gern gelehrte Sonatenhauptsatz. Ebenso stellt Beethoven schroff im zweiten Satz Klavier und Orchester nebeneinander – Berührungspunkte sind kaum gegeben, allenfalls überschneiden sich die beiden Partien in einigen Takten. Im Finale wiederum finden beide Partner zusammen aber auch hier ist es nicht unbedingt ein gemeinsames Musizieren – eher scheint es, als sinne der Klavierspieler über das Hauptthema des Satzes nach, verlöre sich ab und an in seinen Gedanken um dann vom Orchester ermahnt wieder zum “ordentlichen Teil” des Satzes zu kommen.
Unser “Artist in Residence” Maestro Koroliov war bei diesem Konzert zum ersten Mal in der Mercatorhalle zu hören. Es war ein Genuß allererster Güte. Nicht nur, dass Maestro Koroliov die klangvollen und brillianten Läufe des ersten Satzes atemberaubend leicht erscheinen ließ – von den Trillern im ersten Satz abgesehen – nein, es gelang ihm auch im zweiten Satz des Konzertes eine intensive, einfühlsame Interpretation bei der man zusammenzuckte wenn sich das Orchester zu Wort meldete. Überdies schien es, als wäre der erste Satz nur die Vorbereitung für das brilliant dargebotene Finale des dritten Satzes gewesen in denen Koriolov alle Register seines Könnens zog. In der Zugabe bewies er dann Humor – während nämlich alle anderen Stücke durchaus sehr brilliant und pompös endeten verlief sich der Schluss der Zugabe einfach – und der Maestro entließ ein begeistertes Publikum aus einem wunderschönen Konzert. Wer keine Karten für den Wiederholungstermin am Donnerstag bekommen haben sollte, der kann sich trösten: Der WDR schnitt das 6. Philharmonische Konzert mit und sendet das ganze Konzert dann am 30.01. um 20 Uhr auf WDR3.
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