12. Januar, 2009

6. Phil. Konzert | J. Darlington

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Die Verbindung zwischen Brittens „Gloriana Suite“ und Haydns Sinfonie Nr. 85 „La Reine“ ist nicht sofort ersichtlich. Es gibt aber gleichwohl Verbindungen, wenigstens bildete ich mir das ein, als ich dieses Programm zusammenstellte. Haydns Sinfonie scheint mir eine Art Sonaten-Suite mit erstaunlichen Anlehnungen an bestimmte Suitensätze zu sein. Die Tatsache, dass Marie-Antoinette die Sinfonie besonders liebte und den zweiten Satz der Sinfonie wieder und wieder auf ihrem Klavier gespielt haben soll, während sie auf ihre Enthauptung wartete, ist der Grund für den Titel „La Reine“. „La Reine“ führt offenkundig zu „Gloriana“, was Leben und Lieben (oder besser gesagt die eine Liebe, den Earl von Essex) der Königin Elisabeth I. von England betrifft.
Der letzte Satz aus Brittens Suite stellt die Sterbestunde der Königin dar (die sich bekanntermaßen weigert, im Bett zu liegen, als sie erkrankte) und führt uns wieder zurück zu dem Augenblick, da Marie-Antoinette ihrem Schicksal gegenübertritt. Eine dünne Verbindung, kein Zweifel, aber auf diese Weise entstand der erste Teil des


Das letzte Teilchen im Britten/Haydn-Puzzle ist die ihnen gemeinsame Meisterschaft in Strukturierung und Instrumentation. Nur wenige Komponisten in der Musikgeschichte können es mit Haydns skelettartiger Instrumentierung aufnehmen, bei der jede einzelne Note ihren individuellen Beitrag zur Perfektion liefert. Britten aber ist einer dieser wenigen Glücklichen, und „Gloriana“ bot ihm reiche Gelegenheit, dieses Talent zur Gänze auszuschöpfen. Blechbläserfanfaren, filigrane Harfe und Streicher, Holzbläserchoräle und ähnliches zeugen von seiner virtuosen Herrschaft über die Instrumentierungskunst.
Es trifft sich außerdem, dass dies eine seiner weniger bekannten Kompositionen ist, und ich wollte sie hiermit einem anspruchsvollen Publikum vorstellen!

Beethovens viertes Klavierkonzert schien mir als zweite Hälfte des Konzertes die ideale Balance herzustellen. Mein erster Gedanke war es gewesen, Maestro Koroliov zu bitten, das Emperor-Konzert (Nr. 5) zu spielen, um damit einen offensichtlicheren Bezug zum „Königsthema“ herzustellen. Aber ich änderte meine Meinung und entschied mich, einem weiblicheren Konzert (wenn das in der Musiksprache u?berhaupt möglich ist) den Vorzug zu geben, das mir aber ebenso „königlich“ erschien. Was könnte denn majestätischer sein als die G-Dur-Eröffnungsphrase des Klaviers im vierten Klavierkonzert? Es besitzt zudem meiner Meinung nach eine zarte, weibliche Intelligenz, die mit den inhaltlichen Belangen der ersten beiden Werke in viel größerem Einklang steht und so dem Abend eine wahrhaft königliche Balance und Perfektion gibt.

PhilKon6 duisburger philharmoniker jonathan darlington

Von Christoph Müller-Girod
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