2. PROMILESEN – Jonathan Darlington und Dr. Alfred Wendel

“It’s right up my street”
Das 2. Promilesen der Stadtbibliothek Duisburg am Mittwoch, den 18.02.2009 bot Jonathan Darlington und Dr. Alfred Wendel Gelegenheit, ihr Vorlesertalent unter Beweis zu stellen. Das Thema der diesjährigen Veranstaltung, deren Reinerlös einem guten Zweck zugeführt wurde, lautete zudem “Humor”. Und wer jemals ein Silvesterkonzert von uns besucht hat wird wissen, dass Jonathan Darlington durchaus Recht damit hatte als er feststellte: “It’s right up my street”.
Foto:Christoph Müller-GirodDie Spannung war groß, als der Moderator der ersten Hälfte des Programms, Rainer Zimmermann von Radio Duisburg, zuerst Jonathan Darlington ankündigte. Schließlich hatte unser Dirigent ja am Abend nochmals Beethoven und Strauss beim 7. Philharmonischen Konzert darzubieten – doch von Anspannung, gar Nervosität – keine Spur. Seine komplett auf englisch gehaltene Lesung begann mit Roald Dahl, der unter anderem die Vorlage für Tim Burtons “Charly und die Schokoladenfabrik” lieferte. Wenn Dahl die Geschichte von Rotkäppchen und dem bösen Wolf erzählt, dann sollte man sich auf einiges gefasst machen – hier die Pointe zu verraten wäre wirklich viel zu schade. Natürlich folgte dann “The Owl and the Pussycat” vom Dichter Lear, der im 19. Jahrhundert durch seine Nonsensegedichte bekannt wurde. Mit entsprechender Mimik und Gestik unterstützt ließ er sich sogar zu einer kleinen Gesangseinlage hinreißen – der vollbesetzte Saal war hingerissen. Der Radio-Duisburg-Chefredakteur Rainer Zimmermann entlockte dann im Anschluss unserem Intendanten Dr. Alfred Wendel einige Details über die neue, vor kurzem erst angekommene Orgel. Erst im November wird man diese in der Mercatorhalle bewundern können – bis dahin wird per Projektion bei jedem Konzert ein kleines Stück auf die noch leere Wand in der Halle projeziert.Augenzwinkernd hatte Dr. Alfred Wendel vorher seine Lesung damit eingeleitet, mal ein wenig aus dem Leben eines Musikstars zu plaudern. Wer aber jetzt eine Biographie oder sogar Anekdoten aus dem Nähkästchen erwartete, wurde angenehm enttäuscht: Unser Intendant hatte sich für die Lesung den Roman “Der Rock’n Roll König” herausgesucht. Ein Buch über das Wolfgang Sandern 2003 in der Frankfurter Allgemeine Zeitung meinte, es sei eine “skurrile Mischung aus traditioneller Märchenhandlung und moderner Erfolgsstory”. Dr. Alfred Wendel las die Stelle, an der der Rock’n Roll König gerade aus dem Gefängnis entlassen auf den großen Popstar Walther von der Vogelweide trifft. Natürlich nicht auf den richtigen Minnesänger, sondern auf eine moderne Version, die alle typischen Merkmale eines arroganten Schnösels aufweist. Was für ein Glück, dass der King so viel Talent hat um mal eben für Vogelweide das Publikum seines Konzertes aufzuwärmen – denn dieser hat mit der hübschen Bedienung so einige Gläser Schaumweins gelehrt…Neben unserem Dirigenten und unserem Intendanten waren aber noch eine ganze Reihe anderer Prominente auf der Lesebühne. So u. a. SPD-OB-Kandidat Jürgen C. Brandt, der die Tücken des Überwald-Akzents bei Terry Pratchetts “Die ganze Wahrheit” meisterte. Dass auch Fussball Raum für einen Humor der nachdenklichen Sorte lässt, stellte Martina Voss, die Trainerin des FCR Duisburg, unter Beweis. Ebenfalls schlug Alt-OB Jürgen Krings mit Thomas Manns “Felix Krull” eher einen ruhigeren und sanft ironischen Ton an. Dr. Stefan Dietzfelbinger, IHK-Hauptgeschäftsführer, hatte sich in den Archiven des Schüttelreimes umgetan, der sich in den 20-ger Jahren des letzten Jahrhunderts großer Beliebtheit erfreute. Wer Robert Gernhardt noch nicht entdeckt haben sollte, der wird spätestens nach der Lesung von Hans-Werner Tomalak auf dem Geschmack gekommen zu sein: “Das Leonardo-Prinzip” ließ das Publikum schmunzeln. Der vollbesetzte Saal konnte sich u. a. noch auf den Kabarettisten Kai Magnus Sting freuen, der die zweite Hälfte des Programms moderierte, auf Sascha Devigne, Andrè Maßmann von Studio47 und Olympiasiegerin Gabriele Grillo. Verzichten mussten die Gäste leider auf den Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland, der zwar angekündigt war aber nicht erschien.Gewonnen hatte aber auf jeden Fall die Stadtbibliothek – allein 1500 Euro konnten die Prominenten im letzten Jahr für die SchülerCenter sammeln. Diese bieten Internetarbeitsplätze, Datenbanken sowie Lernhilfen als Ergänzung zur vorhandenen Schulbibliothek bereit. Für eine Spende ab 20,- Euro konnten die diesjährigen Besucher eine Lesaktie erwerben. Angesichts der derzeitigen Weltwirtschaftskrise ist Bildung anscheinend immer noch die beste Anlage…






11:55 Uhr
… macht mir deutlich, dass ich nicht nur einen Termin vergessen, sondern ein Ereignis verpasst habe.
Wird es die Lesungen als Podcast geben?
00:26 Uhr
Hallo Stefan,
vielen Dank für das Lob, ich freue mich sehr darüber. :) Die Lesungen unseres Intendanten und unseres Dirigenten von der Promilesung selbst wird es wohl nicht als Podcast geben. Bekanntlich aber sind wir immer mal wieder für Überraschungen gut – also immer mal wieder bei uns vorbeischauen, dann verpasst du auch keine Termine mehr von uns. ;)
Generell haben wir schon mal über ein Podcast-Angebot nachgedacht und werden dank deiner Anregung nochmal etwas intensiver unsere Köpfe zusammenstecken. Wenn wir Genaueres dazu sagen können liest Du das dann natürlich hier im Blog – bis dahin kannst du aber zum Ton auch noch gleichzeitig das Bild bei unseren Interview-Videos genießen. (Ab und an sieht man mich da auch mal im Bild. ;)