07. Mai, 2009

11. PHIL. Konzert | Karen Kamensek

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Wenn die zierliche Dirigentin Karen Kamensek das Podium betritt, ist ihr enormes Durchsetzungsvermögen zunächst kaum zu erahnen. Aber die junge Amerikanerin weiß, was sie will, und davon profitiert auch das elfte Philharmonische Konzert. Mit Igor Strawinskys Divertimento aus dem Ballett „Der Kuss der Fee“ und Aaron Coplands Ballettsuite „Appalachian Spring“ steht die erste Programmhälfte unter dem Eindruck des Tanzes. Weiterlesen

Fotos: Christoph Müller-GirodSehr schön kommen die zahlreichen Instrumentalsoli zur Geltung, während der Gesamtklang bei aller Sonorität den Eindruck unnötiger Schwere vermeidet. So gewinnt der Vortrag der beiden Werke viel Atmosphäre, wobei souverän alle Stärkegrade von äußerster Zartheit bis zu hymnischen Aufschwüngen durchschritten werden. Das macht neugierig auf die erste Sinfonie g-Moll op. 13 von Peter Tschaikowsky. Überraschenderweise hören viele Konzertbesucher diese Sinfonie bei dieser Gelegenheit zum ersten Male, und man fragt sich, wieso ein spontan für sich einnehmendes Werk derart im Schatten der drei späten Tschaikowsky-Sinfonien stehen muss.Das Publikum ist dankbar für die Präsentation und erlebt ein Werk, das einerseits die auf eine Sinfonie gerichteten Erwartungen erfüllt, andererseits durch Anlehnungen an Volksmelodien über beträchtliches russisches Kolorit verfügt. Wieder gehört die faszinierende Transparenz zu den erfreulichsten Tugenden dieser Darstellung. Sehr schön ausgewogen sind die häufigen Dialoge der verschiedenen Instrumentengruppen im Kopfsatz der Sinfonie, doch was hier breit ausgesponnen wird, überzeugt ebenso im kleingliedrigen und streckenweise fast schon gespenstischen Scherzo. Aber Tschaikowsky wäre nicht er selbst, würde er nicht auch große Klangsteigerungen einkalkulieren. Sie finden sich sonor ausgelotet im herrlichen langsamen Satz, der vielen Musikfreunden als das Herzstück dieser Komposition gilt, und schließlich ins Grandiose gesteigert beim effektreichen Finale. Hier ist die Beteiligung weiterer Schlaginstrumente vorgesehen. Peter Tschaikowsky hatte zeitlebens eine besondere Vorliebe für seine erste Sinfonie, die er im Alter von 26 Jahren schrieb und der er mit einiger Berechtigung den Titel „Winterträume“ gab. Im elften Philharmonischen Konzert gibt es viel Beifall für die überzeugende Präsentation von schönen, dabei nicht sehr schwer zu hörenden Werken, und die Duisburger Philharmoniker applaudieren dabei ihrer Dirigentin Karen Kamensek.Die junge US-Amerikanerin ist sichtlich zufrieden und lässt mit einnehmender Freundlichkeit immer wieder zunächst die vielen Instrumentalsolisten aufstehen, bevor sie das ganze Orchester in den Beifall einbezieht. So sind auch die Duisburger Philharmoniker zufrieden mit ihrer Dirigentin.Für Karen Kamensek, die von 2003 bis 2006 als Generalmusikdirektorin am Freiburger Theater wirkte und jetzt Stellvertreterin der Generalmusikdirektorin an der Hamburgischen Staatsoper ist, ist es übrigens bereits die dritte Begegnung mit dem Duisburger Orchester: Zur ersten Begegnung kam es 2007 bei den „Duisburger Akzenten“ anlässlich der Produktion von „Civil Wars“ des Gegenwartskomponisten Philip Glass, während im April 2008 beim Konzert im Rahmen des WDR-Musikfests die Uraufführung einer Komposition von Richard Faber auf dem Programm stand.So ist es nicht zuletzt diese Kontinuität, mit der sich eine gegenseitige Wertschätzung ausdrückt. Die Besucher des elften Philharmonischen Konzerts können dieses verstehen.

Von Christoph Müller-Girod

Kommentare

  1. Sehr geehrter Herr Tegethoff,

    vielen Dank für Ihren tollen Beitrag zum 11. Philharmonischen Konzert!

    Im Namen des WebTeams möchte ich mich sehr herzlich bei Ihnen dafür bedanken.

    Mit den besten Grüssen,
    Frank Tentler

9. Philharmonisches Konzert

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