15. April, 2009

10. Phil. Konzert | Schlangengrube

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Meisterwerke aus der Schlangengrube. Julian Jia und Alexander Joel zu Gast bei den Duisburger Philharmonikern. Beim zehnten Philharmonischen Konzert am Mittwoch 22. und Donnerstag 23. April um 20 Uhr in der Philharmonie Mercatorhalle meldet sich ein guter Bekannter in Duisburg zurück Weiter lesen

Sechs Jahre lang wirkte der Dirigent Alexander Joel sehr erfolgreich an der Deutschen Oper am Rhein, bevor er 2007 als Generalmusikdirektor nach Braunschweig berufen wurde. 1971 in London geboren, entstammt Alexander Joel einer bedeutenden jüdischen Unternehmerfamilie, die von den Nazis aus Deutschland vertrieben wurde. Der amerikanische Popsänger und Pianist Billy Joel ist sein Halbbruder.Alexander Joel wuchs in Wien auf – und hier ist auch das Programm seines Gastspiels bei den Duisburger Philharmonikern beheimatet. Das Klavierkonzert B-Dur KV 595 aus dem Jahre 1791 ist Mozarts letzter Beitrag zur Gattung der Wiener Klassik, die er zu einzigartiger Blüte führte. Das lyrisch gestimmte, melodiöse Werk mit seinen feinen orchestralen Stimmungen weist bereits deutlich voraus auf die Romantik. Solist ist der gerade einmal 18jährige chinesische Pianist Julian Jia, der 2004 zum Studium nach Deutschland kam und bereits mehrfach bei großen Wettbewerben erfolgreich war. 2005 war er Preisträger des Franz Liszt Wettbewerbs in Weimar; 2007 wurde ihm der Förderpreis des Landes Nordrhein-Westfalen zuerkannt. Die Duisburger Philharmoniker stellen ihrem Publikum regelmäßig die Träger dieser wichtigen Auszeichnung vor und begleiten ihren Weg durch gemeinsame Projekte.Mit gut einer Stunde Spieldauer beansprucht die Sinfonie Nr. 3 d-Moll von Anton Bruckner den Löwenanteil des aktuellen Konzertprogramms. Das imposante Werk war Bruckners größtes Schmerzenskind. Es spiegelt auf besondere Weise die Probleme des Komponisten, in der Schlangengrube des Wiener Musiklebens mit seinem Streit zwischen „Konservativen“ und „Neudeutschen“ Fuß zu fassen. Die Sinfonie ist „dem Hochwohlgeborenen Herrn Richard Wagner, dem unerreichbaren, weltberühmten und erhabenen Meister der Dicht- und Tonkunst in tiefster Ehrfurcht gewidmet.“ Bruckner huldigte dem vergötterten Kollegen durch eine Reihe markanter Zitate, die er allerdings in einer zweiten Version wieder tilgte. Die Wiener Uraufführung 1877 wurde zum Fiasko, das den stets selbstkritischen Komponisten zu einer im Finale stark gekürzten dritten Fassung anregte. Trotz ihrer schwierigen Genese gilt Bruckners „Dritte“ heute als Werk des Durchbruchs, der endgültigen schöpferischen Reife. In der großartigen Architektur der Sinfonie mit ihrer eindrucksvollen Bogenform und der thematischen Korrespondenz der Rahmensätze bereitet sich schon unverkennbar Bruckners monumentaler Spätstil vor.Die Karten für die Philharmonischen Konzerte kosten zwischen 8 und 30 Euro, ermäßigt 4 bis 15 Euro und sind an allen bekannten Vorverkaufsstellen sowie im Servicebüro des Theaters Duisburg und dem Opernshop an der Düsseldorfer Straße erhältlich.

Von Christoph Müller-Girod

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