10. Philharmonisches Konzert | Ein niederländischer Beethoven
Dirigent Jan Willem de Vriend stellt den Komponisten Johann Wilhelm Wilms vor
Im zehnten Philharmonischen Konzert setzen die Duisburger Philharmoniker ihre Zusammenarbeit mit internationalen Spezialisten der historischen Aufführungspraxis fort. Zu Gast in der Philharmonie Mercatorhalle ist am Mittwoch 2. und Donnerstag 3. Juni um 20 Uhr der niederländische Dirigent Jan Willem de Vriend. Ursprünglich in Amsterdam und Den Haag als Geiger ausgebildet, gründete er 1982 das Combattimento Consort Amsterdam, das als Spezialensemble für Werke des 17. bis frühen 19. Jahrhunderts rasch in die vorderste Reihe der überaus lebendigen niederländischen Szene für Alte Musik aufstieg.
Neben dieser Tätigkeit ist Jan Willem de Vriend regelmäßig als Dirigent der großen niederländischen Orchester und Oratorienchöre zu erleben. 2006 wurde er zum Chefdirigenten des Netherlands Symphony Orchestra ernannt, mit dem er auch das große sinfonische Repertoire des 19. Jahrhunderts in „historisch informierten“ Aufführungen erarbeitet. Breiten Raum in Jan Willem de Vriends Terminkalender nahmen in den letzten Jahren diverse Produktionen an bedeutenden europäischen Opernhäusern ein: In Luzern, Strasbourg, Barcelona und Enschede konnte er u. a. mit Werken von Händel, Mozart, Verdi und Strauss Erfolge feiern.
Mit besonderem Interesse widmet sich der entdeckungsfreudige Musiker Komponisten, die von der Musikgeschichte allzu stiefmütterlich bedacht wurden. So brach er schon früh eine Lanze für Johann Wilhelm Wilms (1772-1847), der aus dem Bergischen Land stammte und 1791 nach Amsterdam übersiedelte. Als Pianist, Organist und Komponist, als Lehrer, Publizist und umtriebiger Organisator kam Wilms hier rasch zu Einfluss und Ansehen. Freilich war er auch ein Unbequemer, der in einer Atmosphäre träger Behaglichkeit auf Innovation und Fortschritt pochte, der sich ständig bemühte, die soziale Situation des Musikerstandes zu verbessern. Zu alledem gelang es ihm noch, ein stattliches musikalisches Gesamtwerk vorzulegen – darunter alleine sieben Sinfonien von mitreißender Kraft und Frische, die deutliche Parallelen zur Musik Beethovens und der deutschen Frühromantik aufweisen. Besonders eindrucksvoll ist die um 1736 entstandene „Siebte“, der Jan Willem de Vriend Werke bekannterer Zeitgenossen zur Seite stellt: Neben Orchestermusik aus Mozarts „Idomeneo“ erklingt Franz Schuberts 5. Sinfonie, die klassische Form und romantischen Geist in schwebender Balance hält.
Seit Jahren arbeiten die Duisburger Philharmoniker regelmäßig mit Solisten und Dirigenten zusammen, die sich der Musik der Aufklärungsepoche aus der Perspektive historischer Instrumente und authentischer Spielweisen nähern. Was mit Persönlichkeiten wie Reinhard Goebel und Ton Koopman begann, ist inzwischen zu einer festen Institution geworden, die diesmal durch einen flankierenden Barock-Workshop noch zusätzlich eine wissenschaftlich-pädagogische Dimension bekommt.
Die Karten für das Konzert kosten zwischen 8,90 Euro und 33,60 Euro, ermäßigt 5,60 bis 17,90 Eur







08:19 Uhr
Den ganz gewiss – wie sich gestern unverkennbar herausgestellt hat – hörens- und entdeckenswerten Komponisten Johann Wilhelm Wilms als “niederländischen Beethoven” zu bezeichnen, greift zwar etwas zu hoch, aber nicht zu bekanntes Gutes, optimal ausgeführt, zu hören, tut immer gut. Und für mich steht fest: Hinter sämtlichen Symphonien des seinerzeit hochgerühmten Louis Spohr braucht sich Wilms mit seiner Siebten nicht zu verstecken.
Das Hörereignis im Konzert gestern stand für mich allerdings ganz am Anfang: Mozart wurde hier nicht zum Aufwärmen missbraucht, sondern war gleich in voller Präsenz und Bestaufführung, in Vehemenz und Zartheit da. Das tat meinem musikalischen Salzburger Herzen richtig wohl.