1. PHIL. KONZERT | Ralph Vaughan Williams “Fantasia”

Bild: Medienarchiv Wikimedia Commons
Eigentlich seien alle bekannten Stücke des Komponisten ja eigentlich gar nicht die seinen, scherzte man über den Komponisten Ralph Vaughan Williams.
Zugegeben: Seine großen Erfolge sind immer noch die English Folk-Song Suite, die Fantasia on Greensleeves, the Five Variants on Dives and Lazarus und ebend dies Werk. Alle haben gemeinsam, dass die Themen selbst nicht vom Komponisten stammen, aber es macht diese Werke natürlich nicht weniger zu Vaughan Williams als die Bearbeitung von “Ein feste Burg ist unser Gott” durch Bach oder Mendelssohn Bartholdy zu deren eigenen Werken.
Wer aber war eigentlich dieser Thomas Tallis auf den sich Vaughan Williams mit seiner Fantasia bezieht? Viel weiß man nicht über ihn. Vermutlich um 1505 geboren liegt seine frühe Jugend im Dunkeln der Geschichte. Belegt ist jedenfalls: Von 1532 bis 1540 Organist an der der Benediktiner-Abtei Waltham nördlich von London. Eine Zwischenstation war die Kathedrale von Canterbury, nachdem Heinrich VIII. das Kloster Waltham auflöste. Vierzig Jahre wird er dann das Amt eines „Gentleman of the Chapel Royal” innehaben. Tallis Werk umfasst einerseits lateinische Messen und Motetten, wobei er nach der Reformation zwar kein weiteren Messen mehr schrieb aber weiterhin bei den lateinischen Motetten blieb.
Vaughn schrieb die Fantasia im Jahre 1910, überarbeitete sie aber noch zweimal: 1913 und 1919. Das Werk spiegelt die Monate wieder, die Vaughan Williams im Jahr 1908 in Paris bei Ravel verbrachte. Zudem hatte Vaughn schon im Jahr 1906 ein neues Gesangbuch für die anglikanische Kirche editiert. So fand Vaughan Williams wohl Tallis’ Why Fumeth in Fight, die dritte von neun Psalmvertonungen von 1567, geschrieben damals für Archbisop Parker’s Psalter. Und machte dieses Thema zur Basis der Fantasie.
Diese ist übrigens tatsächlich ein Meilenstein – denn seit diesem Werk ändert sich die Orchestration. Williams, der sich früher eher an seinen Lehrer Parry hielt – und der wiederum sich an Brahms – so setzt nach den drei Monaten mit Ravel in Paris ein Wandel durch. Die Gegenüberstellung von Klangfarben taucht jetzt in seinem Werk auf.
Und diese Gegenüberstellung macht sich in der Fantasia schon bemerkbar. Denn Vaughan Williams schrieb das Werk zwar für Streicher, teilte diese aber in drei Gruppen auf:
- Eine Hauptgruppe
- Eine kleinere Gruppe von 9 Streichern – allesamt bis auf auf den Baß zweimal besetzt
- Ein Streichquartett
Es kann sein, dass Vaughan Williams diese Idee von Elgars “Introduction and Allegro for string orchestra and string quartet” (1905) hernahm, das Werk kannte er. Während Elgar aber in der Romantik verwurzelt ist, nahm Williams die Kirchentonart des Tallis-Themas zum Anlaß aus diesem – wie er es formulierte - harmonischen cul-de-sac der Romantik auszubrechen. Zudem gelang es ihm den Geist des Madrigals auf diese Weise einzufangen. Bis heute ist die Fantasia eines der bekanntesten Werke von Vaughan Williams – und bewahrt auf diese Weise den Namen eines Mannes, den wir sonst nicht kennen würden. Thomas Tallis.






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